Wieder 4.30 h am morgen, wieder Fahrt zum Schlachthof. Diesmal Eschweiler. Nach wochenlangen Telefonaten endlich das okay, dass wir kommen können.
Diesmal begleitet vom WDR (Fernsehen).
Fotos und Videos im Schlachthof durften wir dann aber leider nicht machen. Aber trotzdem:
Wir waren überrascht von der Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit den
Tieren dort. Eine halbe Stunde wurde gewartet, als eine Kuh nicht in die
Tötebox ging. Dann wurde sie zurück in den Stall gebracht und eine andere
geholt. Kein Gestank, kein Lärm, kein Treiben der Kuh, keine Tiere bei
Bewusstsein nach dem Bolzenschuss, kein panisches Um-sich-schlagen mit den
Beinen. Ideale Bedingungen, so schien es uns.
Trotzdem: Der Moment des Bolzenschusses ist heftig. Zuzusehen, wie die Kehle durchgeschnitten wird, der Kopf zurückklappt (entsprechende Fotos hatten wir für die Aufführung aussortiert, weil wir das zu heftig fanden) und das zwar betäubte, aber ja noch lebende Tier ausblutet - wie ihm dann die Beine abgeschnitten werden, etc. - das lässt einen nicht unbeeindruckt. Beim Bolzenschuss schießt mir der Niman-Satz durch den Kopf: "Will ich dieses wunderbare und schöne Tier wirklich töten?"; erst finde ich es etwas kitschig, dass mir ausgerechnet das einfällt. Später erzählt mir Stefan, dass er exakt den Satz in der Situation einem der Schauspieler ins Ohr geflüstert hätte. - Da steckt was drin. Die Kuh ist beeindruckend, und ja: Es ist ein schönes Tier.
Klaus Philippi, Vorstand des
Schlachthofes, erzählte uns von seinen Horror-Erfahrungen in Großbetrieben, die
die Berichte in Foers Buch auch für Deutschland zu bestätigen scheinen. Nur
sind es hier nicht Mexikaner, sondern ungelernte Osteuropäer. Auch sie sind mit
3 Euro die Stunde grotesk unterbezahlt – und auch sie würden alle drei Monate
ausgetauscht, berichtet Philippi. Der WDR-Reporter, der uns begleitete und
Großschlachterei-erfahren war, meinte: Eschweiler sei nicht normal. Das sei
kein Schlachthof wie die, die er kenne. In denen röche es nach Angst, Scheiße
und Blut.

Dagegen hier ein Schlachthof, wie man ihn sich wünschen
sollte; nur 8 Kühe pro Stunde werden
geschlachtet. Die Langsamkeit erhöht aber nicht nur das Tierwohl und die
Qualität – sondern auch den Preis. Ein Vorzeige-Schlachthof braucht
Unterstützung – statt dessen ächzt und stöhnt Eschweiler unter den behördlichen
Auflagen und häufigen Kontrollen, und die Schließung hängt immer mal wieder
drohend über dem Betrieb. Und wenn sie kommt – was dann?
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| Wir sind inzwischen so in der "Szene" drin, dass wir morgens um 5 in Eschweiler zufällig Bekannte treffen... Tim Stöbe fährt vor, um seine Schweine abzuholen. |
Denn nicht nur Stöbes Öko-Betrieb hängt von Eschweiler ab;
mit konventionellem Rind- und Schweinefleisch lassen sich auch andere Aachener
Metzgereien direkt aus dem Schlachthof in Eschweiler beliefern, darunter u.a.
Cornely, Kerres, Lemmen und Waldorff; auch Stenten am Krugenofen zählt zu den
Kunden. Regionale Kleinstrukturen jenseits der Massenbetriebe halten sich nicht
von selbst. Wer sie will, muss sie unterstützen. Mit der Entscheidung, Fleisch
zu kaufen, das aus Eschweiler stammt, stärkt man nicht nur regionale Strukturen
– man hilft, die schlimmsten Auswüchse der Massentierhaltung zu mindern, und:
man kauft deutlich besseres Fleisch.
Harald Wolff




Zunächst mal frage ich mich, welchen Grund es für die Behörden gibt, diesen ach so tierlieben Schlachthof zu schließen. Der letzte Bericht über erneute Tierschutz-Verstöße dort war erst am 7.6. in der Aachener Zeitung.
AntwortenLöschenGenauso kurz gedacht ist das Statement von Markus Weickert im Lokalzeit-Bericht, in dem er Fleisch aus dem Eschweiler Schlachthof als "Alternative" bezeichnet. Selbst wenn es sich um schonende Schlachtung von Tieren aus Bio-Haltung handeln würde, sollten Sie aufgrund Ihrer Recherchen doch wissen, dass sowas keine Alternative für die menschliche Ernährung darstellen kann. Die Tiere werden trotzdem im Jugendalter getötet, die Anforderungen der Bio-Haltung bringen den Tieren nur marginale Verbesserungen und die Öko-Bilanz von Bio-Tieren ist so verheerend, dass es völlig unmöglich wäre, alle Menschen mit Biofleisch zu versorgen.