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Freitag, 21. Juni 2013
Moviebeta-Interview mit Arpad Dobriban über Kunst, Kochen und Drogen
Welche Vorteile stundenlanges Kochen bietet und warum es ein dummes Vorurteil ist, unsere Großmütter würden durch zu langes Kochen alle wertvollen Inhaltsstoffe „verkochen“, erklärt Arpad Dobriban in diesem Interview mit Moviebeta.
Beim langen Kochen von z.B. Gemüse werden Vitamine zwar tatsächlich reduziert, aber dafür entstehen ganz neue Stoffe, nämlich – und hier kommt die gute Nachricht! – Drogen.
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Tipps und Adressen für Aachen
Samstag, 8. Juni 2013
Schlachthof Eschweiler geschlossen
Gerade von uns als tolle regionale Alternative gefeiert, ist jetzt wahr geworden, was wir befürchtet (und als Zukunftsprognose erwartet - allerdings nicht so kurzfristig) haben:
Der Schlachthof in Eschweiler wurde geschlossen.
Wir bringen das, was wir in der Zeitung lesen (Schläge etc.) nicht zusammen mit dem, was wir gesehen haben, als wir da waren. Unser Eindruck war wie hier beschrieben. Und der Witz ist: Wir waren da, als die Prüfer da waren.
Unsere Empfehlungen, wo man in Aachen Fleisch kaufen kann, das in ethisch vertretbarer Weise hergestellt wurde, relativieren sich damit.
Der Schlachthof in Eschweiler wurde geschlossen.
Wir bringen das, was wir in der Zeitung lesen (Schläge etc.) nicht zusammen mit dem, was wir gesehen haben, als wir da waren. Unser Eindruck war wie hier beschrieben. Und der Witz ist: Wir waren da, als die Prüfer da waren.
Unsere Empfehlungen, wo man in Aachen Fleisch kaufen kann, das in ethisch vertretbarer Weise hergestellt wurde, relativieren sich damit.
Donnerstag, 6. Juni 2013
Neue Geschichten erzählen
Der Metzger Ralf Stöbe hat uns erzählt, dass er keine Lust mehr hatte, Schweine aufzuschneiden, die nach Fisch riechen. Dass er keine Lust mehr hatte, seinen Beruf so auszuüben, dass er mit Handwerk nichts mehr zu tun hatte. Dass er keine Lust mehr hatte, Fleisch zu verkaufen, das seinen Vorstellungen von Qualität schon lange nicht mehr entsprach.
Ralf Stöbe hat nach
Alternativen gesucht – und kam zu dem Schluss, dass eine andere Form der
Berufsausübung nur über die Umstellung auf einen Bio-Betrieb möglich sei. Und
stand dann vor dem Problem, dass es dafür keine Strukturen gab. Wie kommt man
an Bio-Schweine und -Rinder in der hohen Stückzahl, die er benötigte, um ein
Vollsortiment anbieten zu können? Zum Schlachten sind kleine Schlachthöfe mit
Bio-Zertifizierung notwendig – wo findet man die? Und schließlich: Wie
verarbeitet man ein ganzes Tier so, dass es auch verkauft werden kann (nur 3%
eines Tieres sind Steaks – was macht man mit dem Rest?)
Niemand konnte ihm
sagen, wie das geht, viele Fertigkeiten, die dafür notwendig waren, musste er
sich selbst erst wieder aneignen, denn Metzger verarbeiten schon lange keine
ganzen Tiere mehr. Und er musste regionale Strukturen schaffen: Mit Hilfe des
Bioland-Verbandes fand er einen Bauern (Herrn Groß-Weege; dafür musste er aber
bis Hamminkeln reisen), der bereit war, die benötigte hohe Stückzahl an
Schweinen großzuziehen.
Und sie so
großzuziehen, dass sie ein erträgliches Leben haben. Die Bioland-Ansprüche sind
hoch: Die Tiere brauchen Platz, die Nahrung, die verfüttert wird, muss der
Betrieb selbst anbauen – keine Sojaimporte, kein Fischmehl. Und man mag kaum
glauben, dass das ein Alleinstellungsmerkmal ist: die Tiere bekommen zu trinken
(konventionell gehaltene Schweine haben diese Möglichkeit nicht; wenn sie
durstig sind, müssen sie in Wasser eingeweichte Nahrung zu sich nehmen; auf
diese Weise fressen sie mehr und wachsen schneller).
Für beide Seiten ein
enormes wirtschaftliches Risiko: bis zur Schlachtreife dauert es knapp ein Jahr
(zum Vergleich: ein Schwein in konventioneller Haltung braucht nach seiner
Geburt nur etwa 4 Monate, bis es so gemästet ist, dass es geschlachtet werden
kann), das heißt, der Bedarf eines ganzen Jahres musste vorproduziert und
-finanziert werden – wäre die Umstellung von den Kunden nicht angenommen
worden, wären beide Betriebe ruiniert gewesen.
Schlaflose Nächte habe
er gehabt, sagt uns Metzger Stöbe. Und tatsächlich hätte er „100%“ seiner
Kunden verloren. Vier Wochen habe es gedauert, bis der neue Laden so gut
angenommen worden sei, dass absehbar wurde, dass es funktionieren kann.
Mit der Aufzucht
alleine ist es aber nicht getan: Die Tiere müssen geschlachtet werden. Der
Hauptunterschied bei der Schlachtung zu konventionell gehaltenen Tiere ist,
dass die Bioschweine nicht direkt aus dem LKW in die Schlachtstraße getrieben
werden, sondern Ruhephasen haben. Beruhigungsphasen. Diese simple
Tierschutzmaßnahme hat massive Auswirkungen auf die Fleischqualität: Tiere, die
panisch sind, wenn sie geschlachtet werden, produzieren Stresshormone, die sich
deutlich negativ auf den Geschmack auswirken.
Was wie eine einfache
(und selbst aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel absolut sinnvolle) Maßnahme
klingt, ist schwer umzusetzen: Die großen Schlachthöfe, in denen 20.000 Tiere
am Tag getötet werden, haben weder die Zeit noch die Fläche, den Schweinen
20-minütige Pausen (und um mehr geht es nicht) zu ermöglichen. Kleine
Schlachthöfe aber gibt es kaum: Die Auflagen für Schlachthöfe werden EU-weit
immer höher, die zum Betrieb nötigen Anlagen sind für Kleinbetriebe kaum mehr
bezahlbar, und in der Folge machen immer mehr Schlachthöfe dicht – das ist
politisch so gewollt. Die Strukturen werden stetig größer.
Das Verschwinden der regionalen Strukturen
Noch kann Ralf Stöbe
die Tiere wie oben beschrieben im Schlachthof Eschweiler schlachten lassen (Wir haben ihn besucht. Wie es dort zugeht, berichten wir hier).
Dessen Existenz ist aber bedroht, man konnte das in der Aachener Presse
verfolgen. Unterstützung für das Erhalten der regionalen
Strukturen gibt es nicht, im Gegenteil: Es scheint nur eine Frage der Zeit zu
sein, bis der letzte verbliebene regionale Schlachthof unter der Last der
Auflagen zusammenbricht. Und dann?
Die Anforderungen an
seine Form der Betriebsführung sind so hoch, dass es nach Einschätzung von Ralf
Stöbe heute in ganz Deutschland nur 8-10 Betriebe gibt, die all diese Fragen
gelöst haben und ausschließlich selbst hergestellte biologische Produkte
anbieten.
Auffällig sind die
strukturellen Gemeinsamkeiten in den Erzählungen von Bill Niman und Ralf Stöbe,
bis hinein in die Wortwahl: Beide reden von ihrem Beruf als Berufung, beide
sind zuallererst Idealisten, getrieben von einem hohem handwerklichen Ehrgeiz,
und beschreiben ihre Ziele mit fast identischen Worten: Sie wollen, dass ihr
Fleisch das Beste ist, was es gibt. Und beide sind so kompromisslos, dass sie
mit den bestehenden Strukturen nicht zufrieden waren und sich aufgemacht haben,
neue zu schaffen, die ihren Ansprüchen genügen, mit vollem persönlichen und
finanziellen Risiko. Beide mussten sich selbst beibringen, wie es funktioniert,
und beide haben ein Modell geschaffen, das nachgeahmt werden kann. Beide
formulieren das, mit fast identischen Worten, als Ziel: Ich habe gezeigt, dass
es geht, sagt Stöbe. Wir haben ein Vorbild geschaffen, sagt Niman. Und beide
sagen: Andere können und sollen das nachmachen. Sie müssen nur wollen.
Und nicht zuletzt:
Beide zeichnet hoher Respekt vor den Tieren aus, mit denen sie umgehen. Das
betrifft die Aufzucht, aber auch die Verwertung. Ralf Stöbe verwendet fast
alles vom Tier – das ist (entgegen unserer Erwartung) leider alles andere als
eine Selbstverständlichkeit, und tatsächlich eine der größten Herausforderungen
beim Führen eines solchen Betriebes; und der Hauptgrund, warum es bislang kaum
Nachahmer gibt: Die Metzger fürchten die dafür notwendige Logistik.
Harald Wolff
Schlachthofbesuch II: Kein normaler Schlachthof
Wieder 4.30 h am morgen, wieder Fahrt zum Schlachthof. Diesmal Eschweiler. Nach wochenlangen Telefonaten endlich das okay, dass wir kommen können.
Diesmal begleitet vom WDR (Fernsehen).
Fotos und Videos im Schlachthof durften wir dann aber leider nicht machen. Aber trotzdem:
Wir waren überrascht von der Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit den
Tieren dort. Eine halbe Stunde wurde gewartet, als eine Kuh nicht in die
Tötebox ging. Dann wurde sie zurück in den Stall gebracht und eine andere
geholt. Kein Gestank, kein Lärm, kein Treiben der Kuh, keine Tiere bei
Bewusstsein nach dem Bolzenschuss, kein panisches Um-sich-schlagen mit den
Beinen. Ideale Bedingungen, so schien es uns.
Trotzdem: Der Moment des Bolzenschusses ist heftig. Zuzusehen, wie die Kehle durchgeschnitten wird, der Kopf zurückklappt (entsprechende Fotos hatten wir für die Aufführung aussortiert, weil wir das zu heftig fanden) und das zwar betäubte, aber ja noch lebende Tier ausblutet - wie ihm dann die Beine abgeschnitten werden, etc. - das lässt einen nicht unbeeindruckt. Beim Bolzenschuss schießt mir der Niman-Satz durch den Kopf: "Will ich dieses wunderbare und schöne Tier wirklich töten?"; erst finde ich es etwas kitschig, dass mir ausgerechnet das einfällt. Später erzählt mir Stefan, dass er exakt den Satz in der Situation einem der Schauspieler ins Ohr geflüstert hätte. - Da steckt was drin. Die Kuh ist beeindruckend, und ja: Es ist ein schönes Tier.
Klaus Philippi, Vorstand des
Schlachthofes, erzählte uns von seinen Horror-Erfahrungen in Großbetrieben, die
die Berichte in Foers Buch auch für Deutschland zu bestätigen scheinen. Nur
sind es hier nicht Mexikaner, sondern ungelernte Osteuropäer. Auch sie sind mit
3 Euro die Stunde grotesk unterbezahlt – und auch sie würden alle drei Monate
ausgetauscht, berichtet Philippi. Der WDR-Reporter, der uns begleitete und
Großschlachterei-erfahren war, meinte: Eschweiler sei nicht normal. Das sei
kein Schlachthof wie die, die er kenne. In denen röche es nach Angst, Scheiße
und Blut.

Dagegen hier ein Schlachthof, wie man ihn sich wünschen
sollte; nur 8 Kühe pro Stunde werden
geschlachtet. Die Langsamkeit erhöht aber nicht nur das Tierwohl und die
Qualität – sondern auch den Preis. Ein Vorzeige-Schlachthof braucht
Unterstützung – statt dessen ächzt und stöhnt Eschweiler unter den behördlichen
Auflagen und häufigen Kontrollen, und die Schließung hängt immer mal wieder
drohend über dem Betrieb. Und wenn sie kommt – was dann?
![]() |
| Wir sind inzwischen so in der "Szene" drin, dass wir morgens um 5 in Eschweiler zufällig Bekannte treffen... Tim Stöbe fährt vor, um seine Schweine abzuholen. |
Denn nicht nur Stöbes Öko-Betrieb hängt von Eschweiler ab;
mit konventionellem Rind- und Schweinefleisch lassen sich auch andere Aachener
Metzgereien direkt aus dem Schlachthof in Eschweiler beliefern, darunter u.a.
Cornely, Kerres, Lemmen und Waldorff; auch Stenten am Krugenofen zählt zu den
Kunden. Regionale Kleinstrukturen jenseits der Massenbetriebe halten sich nicht
von selbst. Wer sie will, muss sie unterstützen. Mit der Entscheidung, Fleisch
zu kaufen, das aus Eschweiler stammt, stärkt man nicht nur regionale Strukturen
– man hilft, die schlimmsten Auswüchse der Massentierhaltung zu mindern, und:
man kauft deutlich besseres Fleisch.
Harald Wolff
Mittwoch, 29. Mai 2013
Wer nicht essen will, fliegt raus!
... und zwar hier: geschmacksarchiv
Guten Appetit
Dass Massentierhaltung nicht akzeptabel ist, davon muss
man niemanden überzeugen (schon gar nicht Menschen, die sich einen Blog ansehen, der „Tiere essen“ heißt): Niemand will sie.
Wir haben, trotz intensiver Suche, keinen Menschen
gefunden, der die Meinung vertreten hätte, sie sei toll, oder auch nur in
Ordnung. Wiesenhof und Thönnies? Haben auf unsere Anfragen erwartungsgemäß
nicht geantwortet.
Zu überwältigend die Gegenargumente: Nichts trägt mehr zum
Klimawandel bei als die weltweite Tierhaltung. Sie allein ist für 18% der
schädlichen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich - das ist mehr als der
gesamte (!) weltweite Verkehr, einschließlich Flugzeugen und Autos.
Sie können weiter Porsche
fahren und mit Ihrem Privatjet in den Urlaub fliegen, wenn Sie künftig
vollständig auf Fleisch, Milch und Eier verzichten, und tragen dann trotzdem noch
entscheidend zur Klimarettung bei. (Und wenn Sie dann auch noch auf Fahrrad und
Bahn umsteigen, verleihen wir Ihnen den
Blaugrünen Umweltengel)
Klimawandel interessiert Sie nicht? Wie wär´s mit Ihrer
Gesundheit: Der nächste Supererreger wird derzeit mit Hochdruck und unter
Einsatz all unseres Know-Hows gezüchtet in den Tierproduktionsanlangen dieser
Welt. Eine auf Menschen übertragbare Kreuzung aus Schweine- und Vogelgrippe,
das wär doch was. Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern wann. Die relativ
konservative WHO (das sind die Weltgesundheitsorganisatoren in den weißen
Kitteln, auf denen "KEINE PANIK!" steht) geht nach relativ
konservativer Schätzung von einer Influenza-Epidemie mit bis zu 7 Millionen
Toten weltweit aus. Und das Beste daran: Wir werden ihr völlig machtlos
gegenüberstehen, weil alle unsere Antibiotika durch deren massenhaften Einsatz
in der Geflügelzucht längst wirkungslos geworden sind. Also bitte: Lassen Sie
es sich gut schmecken.
Und dann gibt es ja auch noch das weniger
egoistische, weil weniger
anthropozentrische Argument des Leidens der Tiere. Kann es uns egal sein, dass in unserem
Auftrag tagtäglich Tieren ohne Betäubung der Schnabel abgeschnitten (Hühner),
die Geschlechtsorgane entfernt (Schweine), bei lebendigem Leibe und vollem
Bewusstsein die Haut abgezogen (Rinder)
wird - nur, weil es dann schneller geht und damit billiger ist? Und das sind
keine Ausnahmen, und es geht dabei nicht um kleine Stückzahlen.
Harald Wolff
Dienstag, 28. Mai 2013
In den USA bekämpft Peta derweil die Misshandlung von Hühnern durch die Fastfoodkette KFC mit Pamela Anderson und einem online Game. Super Chicken im Kampf gegen die Fastfoodgiganten! Mit "Nugget" und "Chicket" wird "Pam" vor dem bösen Colonel Sanders, dem Gründer von KFC, gerettet.
Viel Spaß beim Highscore knacken!
Klenkes startet Selbstversuch
Der Klenkes hat seinen Selbstversuch zu unserem Stück nun gestartet, allerdings von den zurückhaltenden 10 Tagen noch einmal runtergedimmt auf nur noch 7 Tage. Nur Mut! Ihr schafft das, wir glauben fest an Euch.
Zitat: "Abends im Supermarkt. Einkaufen wie ein Vegetarier, fühlt sich richtig erhaben an, haha."
Immerhin. Wobei, ich mach hier Witze: Ich bin durch dieses Projekt noch nicht zum Vegetarier geworden; aber das Fleisch, das ich jetzt esse, ist viel besser als das, was ich vorher gegessen habe.
Zitat: "Abends im Supermarkt. Einkaufen wie ein Vegetarier, fühlt sich richtig erhaben an, haha."
Immerhin. Wobei, ich mach hier Witze: Ich bin durch dieses Projekt noch nicht zum Vegetarier geworden; aber das Fleisch, das ich jetzt esse, ist viel besser als das, was ich vorher gegessen habe.
Samstag, 25. Mai 2013
Misereor zu Besuch
Diese Woche hatten wir Gelegenheit, mit den
Welternährungsexpertinnen von Misereor zu sprechen. Kerstin Lanje informiert
uns über die weltweiten Auswirkungen der Massentierhaltung. Was mir nicht klar
war: All die Tiere, die in Deutschland zerfleischt werden, können gar
nicht aus Deutschland ernährt werden.
Und zwar: nicht annähernd. Ganze 67 % (!) der Nahrung werden importiert - als
Soja.
Klimatisch eine Katastrophe, lohnt sich das für die Tiere aber wenigstens kulinarisch: Schweine mögen Soja. Viel lieber jedenfalls als die bitter schmeckenden deutschen Getreide. Trotzdem ist es absurd, in Paraguay den Regenwald zu roden, um in Deutschland Tiere zu füttern, deren Fleisch dann nach Afrika exportiert wird.
Wenn Soja aber so problematisch ist - was ist dann mit all
den Sojaprodukten und sojabasierten Fleischersatz, die der vegane Markt so
hergibt? Muss man da dann ein schlechtes Gewissen haben? Bringt der Umstieg gar
nichts fürs Klima?
Das bedeutet: Selbst wenn wir unsere Konsumentenmacht
einsetzen und unseren Fleischkonsum einschränken, selbst wenn wir kein Fleisch
aus Massentierhaltung mehr kaufen, bedeutet das nicht, dass auch nur ein Tier
weniger so aufgezogen wird; es würde
dann einfach nur besseres Fleisch exportiert. Die Strukturen, geschaffen zur
Ernährung einer hungernden Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, haben sich längst verselbständigt.
| v.l.: Markus Weickert, Angelina Koch, Kerstin Lanja, Elisabeth Kleffner, Stefan Nolte, Pablo Sprungala, Rainer Krause |
Klimatisch eine Katastrophe, lohnt sich das für die Tiere aber wenigstens kulinarisch: Schweine mögen Soja. Viel lieber jedenfalls als die bitter schmeckenden deutschen Getreide. Trotzdem ist es absurd, in Paraguay den Regenwald zu roden, um in Deutschland Tiere zu füttern, deren Fleisch dann nach Afrika exportiert wird.
(Die Gleichung Massentierhaltung = Regenwaldabholzung
funktioniert so einfach allerdings nicht. Der wird wegen des Holzes gerodet; die
Sojaplantagen kommen erst danach. - Macht es das besser?)
| Kerstin Lanja, Elisabeth Kleffner |
Doch, meint Lanje: Die meisten
Bioanbieter arbeiten mit deutschem Soja; und selbst wenn der Markt
größer würde und Soja dafür importiert würde, es bräuchte nicht annähernd
dieselbe Menge an Soja. Die Produktion eines Kilos Fleisch braucht die 7- bis 10-fache Menge an Soja wie die Produktion eines Kilos anderen Essens.
Und die Agrarindustrie stellt sich längst auf die
weltweiten Märkte ein, da liegt die Zukunft. Denn der Bedarf in Deutschland
wird zurückgehen, die Strukturen sind aber da, also wird fleißig exportiert.
Milchpulver nach Burkina Faso, ebenso wie all die Teile von Tieren, die wir
nicht essen (60% des Hühnerfleisches, das in Deutschland gegessen wird, ist
Hühnerbrust; aber selbst bei den grotesk überzüchteten Hühnerrassen heute, die
wegen ihrer großen und schweren Brust kaum mehr stehen können, sind nur 20%
Brust - was glauben Sie, passiert mit dem Rest? Der reicht immer noch, um
lokale afrikanische Märkte kaputt zu exportieren.) Derzeit werden in Deutschland
115% des benötigten Fleisches und der benötigten Milch erzeugt. 15% werden also
exportiert. Wir arbeiten dran, diesen Anteil drastisch zu steigern.
Das bedeutet auch: Die Nahrung kommt von woanders, das
Fleisch geht nach woanders, das einzige, was hierbleibt, wenn der Profit privat
eingestrichen wurde, ist die Gülle, und die Kosten dafür werden dann
vergemeinschaftet. Schöne Scheiße.
Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wäre es sinnvoll, mit
der Gülle das Land zu düngen, auf dem das Soja wächst ... Wir schlagen vor,
eine Pipeline zu bauen. Oder man könnte
die ganzen Öltanker, die um die Welt schippern, auf ihrem Rückweg mit Scheiße
füllen, das hätte schon aus metaphorischen Gründen viel für sich.
Männliche Küken...
...des Typs ,,Legeleistung" (40 Millionen Tiere jedes Jahr, Stand 2. Juni 2010), also die, die in der Legehennenzucht schlüpfen, werden einfach vernichtet (geschreddert oder vergast), weil sie für die Eierproduktion nicht zu gebrauchen sind (Anlage 3 zu § 13, Absatz 6 TierSchlV: Betäubungs- und Tötungsverfahren).
Und so in etwa sieht das dann aus...
Und ich darf an dieser Stelle kurz anmerken, wie witzig ich die Mäcces-Werbung hier in dem Zusammenhang finde. Gestern bin ich dran vorbeigefahren, diesen Post im Sinn. Ich steh´ echt auf deplatzierte Werbung.
Und so in etwa sieht das dann aus...
Und ich darf an dieser Stelle kurz anmerken, wie witzig ich die Mäcces-Werbung hier in dem Zusammenhang finde. Gestern bin ich dran vorbeigefahren, diesen Post im Sinn. Ich steh´ echt auf deplatzierte Werbung.
Freitag, 24. Mai 2013
Investigativer Theatralismus
Heute geht´s in den Schlachthof. Die letzte Schlachtung ist um 7.30, wir treffen uns um 5.30. Einer der Schauspieler musste deswegen um 3 Uhr aufstehen, die Katze versorgen.
Uns ist mulmig. Wollen wir das wirklich sehen?
Wie´s im Schlachthof zugeht? - Erzählen wir ab dem 7.6.
Aber nicht nur Schlachthöfe sind interessant, auch Zerlegung und Großhandel. Die ganze Branche lebt von der Unsichtbarkeit, selbst die Fleischerei-Einkaufssupermärkte liegen auf abgesperrtem Gelände:
Auf dem Gelände der F.V.E. in Köln: Die Schranke ist oben, wir fahren einfach aufs Gelände. Am Eingang ein Schild "Fotografieren streng verboten".
Ein Mitarbeiter in Grün eilt zu uns, wir müssten das
Gelände sofort verlassen, wir dürften hier nirgends sein, aus hygienischen
Gründen. In dem Moment fährt ein Polizeiwagen vor, und die Polizei wird,
ungewollt und unbewusst, unser Freund und Helfer: der Grüne ist alarmiert, "Was wollen die denn hier?", er wendet sich von uns ab, er eilt zum Pförtner,
sagt gepresst: "Mach die Schranke runter, schnell, lass die nicht
rein." Er ist dann mit den Polizisten beschäftigt.
Wir nutzen die
Gelegenheit:
Monika beschwatzt
einen Metzger, wir würden gerne die Zerlegung sehen. "Kommt mit, ich hol
mir nur kurz was zu Essen!", sagt er, und ist verschwunden. Kurz darauf
kommt er wieder, mit vier Würstchen in der blutigen Hand, und beißt in alle
vier gleichzeitig rein. Pablo und Markus dürfen mit in die Zerlegung, Pablo nimmt die Kamera mit. Sie
müssen Schutzkleidung anziehen. Der Metzger ist vom Fach, aber an den Tieren arbeiten
osteuropäische Hilfsarbeiter. Einer erzählt Markus, er sei eigentlich
KFZ-Mechaniker.
Hier ein paar von Pablos Fotos:
Rainer und ich gehen in der Zeit in den nebenliegenden
Fleischgroßhandel, der sich in nichts von einem Supermarkt unterscheidet.
Eingeschweißte Würste, Würstchen und Steaks hängen in Kühltheken, Angestellte
kleiner Metzgerbetriebe kommen und
packen sie in ihre Einkaufswägen, um in ihren Läden die Verpackungen
aufzuschneiden und die Ware dann in ihre Auslagen zu legen.
Wir kommen mit einem 70jährigen Metzgermeister ins
Gespräch, der sagt, so sehe sein Beruf heute aus. Er habe zuletzt vor 30 Jahren selbst geschlachtet.
Und dieser alte Metzgermeister - ein sympathischer Kleinstadt-Einzelhändler, ein
weitgereistes Mitglied der Handwerkskammer, der jahrzehntelang
Gesellenprüfungen quer durch Nordrhein-Westfalen abgenommen hat - sagt uns,
die wir ihn gar nicht kennen, die wir illegal auf diesem Gelände sind, auf eine
simple Nachfrage, mit der milden Resignation dessen, der weiß, wie die Welt
läuft: So, wie es heute in seinem Beruf zuginge, das könne er mit seinem Ethos
nicht vereinbaren.
Aber so sei es halt. Die Kleinstrukturen seien weg, sie
kämen auch nicht wieder. Da könne man
nichts machen. Den Metzger an der Ecke, den gibt es nicht mehr. Nur noch
Verkäufer.
Donnerstag, 23. Mai 2013
Aachener Pfannenzauberin Eva Schwartz zum Thema "Tiere essen"
Wir haben Eva Schwartz bei einer
Pressekonferenz zum Thema „Veggietag in Aachen“ kennengelernt und fanden ihr
Konzept von einem tierfreien Restaurant und ihre Art, so experimentierfreudig
mit ihren Zutaten umzugehen, ziemlich spannend. Die junge Frau machte auch
sonst einen tiefenentspannten und liebenswürdigen Eindruck auf uns, der durch
die gute Kürbissuppe, die sie zum üppigen vegetarischen Buffet beisteuerte,
auch noch verstärkt wurde. Also schnell mal nachgefragt, was es mit ihrem
"Pfannenzauber" auf sich hat…
Eva, seit wann
isst du denn keine Tiere mehr?
-So ganz genau kann ich das nicht sagen, aber
ich glaube, seit dem ich 13, 14 bin.
Ernährst du dich
vegetarisch oder vegan?
-Jetzt im Moment vegan. Also seit 5 Jahren.
Und seitdem ich 13 bin vegetarisch. Jetzt bin ich 30, also sind das ja dann
mehr als 15 Jahre.
Dann hast du ja
sehr früh angefangen. 13 finde ich schon jung, um sich bewusst zu werden, dass
man auf Fleisch verzichten möchte. Wie kamst du in dem Alter zu dieser
Entscheidung?
-Das ist eine
Familiengeschichte. Wir hatten selbst Tiere zuhause, und es war schon normal,
dass die geschlachtet wurden. Und da denkt man halt schon drüber nach, ob einem
das Fleisch so lecker schmeckt, dass man eben dafür in Kauf nimmt, dass die für
einen geschlachtet werden, dass Tiere dafür sterben.
Ja, wenn's einen
Namen hatte, und dann auf dem Teller liegt…
-Ja… Und überhaupt, selbst wenn die keinen
Namen hatten, die Hühner zum Beispiel… Ich dachte mir: „Och, die gluckern da so
wunderschön im Garten rum und denen geht’s gut…“ Und so lecker finde ich
Fleisch auch nicht, dass ich da nicht sagen kann, dass was anderes genauso gut
geht.
Es ist ja ein langer
Weg von der privaten Entscheidung, auf den Verzehr von Fleisch verzichten, bis
hin zur Idee, ein vegan/ vegetarisches Restaurant zu eröffnen. Wie kamst du
dazu?
-Ich habe vorher andere Projekte aufgebaut,
also soziale Projekte. Ich bin Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin.
Irgendwann hatte ich schon viele Projekte aufgebaut und unglaublich viel Spaß
dabei gehabt. Und zu der Zeit ist mir auch aufgefallen, dass mir in Aachen in
der Gastronomiebranche etwas fehlte, dass es hier keine vegetarischen
Restaurants gibt. Ich hatte nach so vielen Jahren im sozialen Bereich Lust auf
etwas Neues, einen Branchenwechsel, dachte mir, dass ich schon immer Spaß an
der Gastronomie hatte und hab's einfach mal gemacht. Auf der einen Seite, um den
Leuten zu vermitteln, dass rein pflanzliches Essen sehr lecker sein und Spaß
machen kann. Und auf der anderen Seite aus eigener Motivation, weil man
irgendwann nicht mehr weiß, wo man jetzt noch essen gehen kann…
Also gibt es hier
für dich hier nirgendwo ein Restaurant, in das du gerne gehst?
-Ja, doch, schon. Es gibt andere Restaurants,
in die ich gerne essen gehe. Ich geh auch jeden Sonntag in einem anderen
Restaurant essen, um mal zu sehen „Hmm, was machen die so…?“ Einfach, um Sachen
zu probieren. Aber hier in Aachen ist es nicht so, wie es in anderen Städten
üblich ist; in ein Restaurant zu gehen und man muss gar nicht erst fragen und kann
einfach alles bestellen…Das ist natürlich eine Leichtigkeit, die ein veganes
Restaurant bietet. Und man fühlt in solchen Restaurants ein ganz besonderes
Flair, weil die Leute sich bewusst darüber sind, dass sie rein pflanzlich und
tierleidfrei essen.
Wer beliefert
dich eigentlich, wo kommen deine Zutaten her?
-Es gibt Online-Versandhäuser,
wo man die Basics herbekommt, sprich: Sojagranulat, Sojasteaks, veganen Käse
usw. Und andere Zutaten bekommt man hier regional wunderbar, also Sojamilch und
all dies. Ich hab auch ein kleines Lager, wo ich wöchentlich einkaufe. Ich
fahre regelmäßig einmal die Woche ein Auto voll einkaufen, gehe durch diverse
Geschäfte, und dann haben wir auch schon unseren Proviant für die ganze Woche.
Und was sind das
für Online-Versandhäuser?
-AVE - es heißt „absolute vegan empire“ (lacht).
Ich bin sehr zufrieden mit denen. Es ist auch sehr spannend, wie die Produkte von
Monat zu Monat weiterentwickelt werden, es ist echt genial, mit denen im
Austausch zu sein. Man kennt sich auch persönlich und bekommt mit, wie viel Kreativität
und Entwicklung darin steckt. Die Steaks oder Medaillons, die wir heute
bekommen, kann man nicht vergleichen mit dem, was man vor noch ein paar Jahren
bekommen hat. Man kann die Produkte immer besser verarbeiten.
Wo nimmst du
deine Rezepte her? Sind das eigene Kreationen?
Mit Beginn von "Pfannenzauber" hatte ich drei
unterschiedliche Köche hier, Schüler und Studenten, die das nebenbei gemacht
und mir sehr geholfen haben. Der eine hat in Aachen eine Volksküche, ist in
alternativen Szenen bekannt, die kochen da vegan für ihre Veranstaltungen, die
andere hat in Köln einen veganen Imbiss mit aufgebaut, also die vegane Küche da
mit aufgebaut, hat aber in Aachen studiert und fand es besser, hier zu arbeiten.
Und die andere war sehr talentiert im Bereich der Ayurveda-Küche… Diese drei
Personen zusammen und ich mit meinen Erfahrungen haben uns super ergänzt und
die ersten Schritte gewagt. Es gibt ja keine Ausbildung zum Vegan-Koch, und das
ist der Punkt… Man muss sich überlegen, ob man einen ausgebildeten Koch
einstellt, der zwar kochen kann, aber das Vegane nicht so draufhat. Das
Zubereiten von Fleisch gehört ja zur klassischen Kochausbildung dazu… und da
muss man sich eben entscheiden. Die ersten Wochen hatte ich noch einen
ayurvedischen Koch und Kochausbilder mit dabei, der hat uns geschult, wie man
ayurvedisch abschmeckt. Das ist natürlich ganz anders als in der klassischen
Kochausbildung. Man spielt mit verschiedenen Geschmäckern. Man kennt's doch noch
von der Oma, wenn die eine Prise Salz in den Kuchen gibt, wird man vielleicht
sagen: „Hä?! Da kommt doch kein Salz rein?“ Aber es macht den Kuchen einfach
besser. Die ayurvedische Küche ist da sogar noch ´ne Ecke drüber. Man spielt
mit sieben unterschiedlichen Geschmäckern und muss diese ausbalancieren. Das
alles zusammen waren die ersten anderthalb Jahre „Pfannenzauber“. Und jetzt (sie deutet auf die junge Frau am Nebentisch)
ist die Nuria da, und bei ihr ist es nochmal etwas anderes. Sie ist in Indien
aufgewachsen, man könnte sogar sagen „vegetarisch“ aufgewachsen, hat mit ihrer
Familie nur vegetarisch gekocht. Das Ayurvedische, was wir so mühsam lernen
müssen, hat sie schon in die Wiege gelegt bekommen. Und aus ihrer Liebe zum
Kochen ist sie nach Südtirol, nach Savoy gegangen, das ist eine sehr hoch
anerkannte Kochschule. Südtirol ist für gute Küche sehr bekannt. Sie hat ihre
Kochausbildung dort gemacht, ist dann nach Eupen gezogen und hat hier als
Vollzeit-Köchin angefangen. Das ist natürlich eine sagenhafte Kombination. Ich
mit den Erfahrungen, die ich hier in den ersten Jahren gesammelt habe, und sie
mit ihren Grundfähigkeiten und ihrer Ausbildung… Und dann läuft das immer so
(sie strahlt jetzt förmlich), dass ich zu Nuria renne, wenn ich ´ne Blitzidee
habe, dann sagt sie „Jaaa, das probieren wir!“- oder sie kommt mit irgendwelchen
Bällchen zu mir und sagt: „Hier, probier mal, das hab ich ausprobiert“… Und wir
haben einfach Spaß an diesem kreativen Umgang mit den rein pflanzlichen
Lebensmitteln, also das ist einfach das, was uns immer wieder den Sonnenschein
ins Gesicht zaubert, wo wir denken „Alter, wie geil ist das denn?!“ Dann
rennen wir wieder mit einem neuen Kochbuch durch die Gegend. Wir kopieren
Rezepte nie, weil wir eine eigene Art haben, Sachen abzuschmecken, aber wir
sammeln gerne Inspirationen.
Es ist für mich auch sehr wichtig als
Pädagogin, dass wir uns in unserem eigenen Tempo weiterentwickeln können, das
ist ein Grundbedürfnis der Menschen: sich ohne Druck weiterentwickeln zu
dürfen. Das ist super so.
Ich muss sagen,
ich finde die Spielecke, die du hier hast, echt total süß. Du legst da anscheinend
Wert darauf, dass hier auch Kinder herkommen und bewusst essen (lernen)…
-Ja, klar. Ich hab hier oft die typischen
Familien, da sind die Kinder dabei, sitzen hier und haben „kein Bock auf
Restaurant“, weil sie das aus anderen Restaurants kennen, dass sie nicht
rumlaufen dürfen. Und ich guck denen dann so in die Augen und sag „Hey, guck
mal, ich hab hier noch eine Spiele-Ecke“, alles ganz locker. Und dann tauen die
auf, sie spielen, ich steh hinter der Theke und poliere Gläser, unterhalte mich
mit ihnen, darf manchmal sogar bei den Spielen mitmachen - die Idee hinter einem
Restaurant besteht doch darin, dass nicht jeder für sich jeden Nachmittag den
Herd anschmeißt und für seine kleine Familie kocht, sondern dass man diese
Aufgabe einfach auch mal an jemanden abgeben kann. Es spart auch Ressourcen,
wenn einer für viele kocht, als dass viele einzeln kochen. Es muss ja nichts
piekfeines sein, sondern ein gemütliches Miteinander, wo man sich über die
Tische hinweg auch unterhalten kann. Und genau so eine Atmosphäre haben wir
hier geschaffen. Die Leute sitzen hier und einer fragt, wie denn so der Burger
bei uns ist. Und dann hebt ein anderer, der hier sitzt, seinen Burger hoch und
ruft „So sieht der aus“- „Achso, ja. Darf ich mal probieren?“ (lacht). Und das
machen alle hier. Miteinander einfach essen und genießen. Und das wiederum hat
eine Vorbildfunktion für Kinder. Die merken, dass es hier nicht darum geht,
dass sie unter Druck ihren Teller leer essen. Sie sollen nur Spaß und Freude am
Essen haben. Fertig. Und wenn die Kinder Fragen haben, haben die Eltern Antworten
für sie, es wird ja alles nur rein pflanzlich zubereitet. Es finden schon
interessante Gespräche zwischen Eltern und Kindern statt… Wobei ich niemandem
vorschreiben möchte, seine Kinder so oder so zu ernähren, ich glaub das weiß
eine Mutter am besten, was bei ihrem Kind für eine gesunde Entwicklung sorgt.
Wie sieht
eigentlich deine Kundschaft aus? Besteht die aus Vegetariern/ Veganern, hast du
hier auch schon mal Fleischesser, die etwas Neues ausprobieren wollen?
-Dazu habe ich letztes Jahr mal eine Umfrage
gemacht, weil ich das auch wissen wollte. Laut der Umfrage sind 50% der Gäste
im Prinzip Fleischesser, die bewusst auf tierische Produkte verzichten wollen,
wenn sie hier hinkommen. Sie mögen die Abwechslung auf der Speisekarte, unsere
Kreativität, die Atmosphäre… Und die andere Hälfte sind Veganer, Vegetarier
und/oder Allergiker.
Bei vielen ist nicht das vorrangige Ziel, sich
komplett vegan zu ernähren, sondern einfach im Alltag auch mal auf Fleisch zu
verzichten. Wenn sie Fleisch essen, dann wollen sie sich auch informieren, was
für eine Vorgeschichte das hat.
Hast du für
Leute, die ihre Ernährung auf eine vegane/vegetarische umstellen wollen irgendwelche
Tipps, die man ganz einfach umsetzen kann?
-Mein erster Tipp wäre: Mutig sein und
ausprobieren! Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn die vegane oder
vegetarische Kost zuhause nicht so schmeckt wie hier…
Zweitens: Ins Gespräch kommen! Mit mir zum
Beispiel. Oder im Internet. Es gibt online wirklich geniale fleischfreie
Rezepte.
Viele Anfänger machen den Fehler, sich direkt
Fleischersatz, riesige Steaks aus Soja zu holen, die wirklich schwierig zuzubereiten
sind. Die müssen, so wie Fleisch auch, mariniert werden und nehmen den
Geschmack von Würze ganz anders auf. Da rate ich: lieber mit kleineren Teilchen
anfangen - es gibt Sojagranulat, da kann man eine super Bolognese daraus machen.
Oder Sojageschnetzeltes… alles Größere würde ich am Anfang weglassen. Und man
kann viel aus Linsen, Getreide und Hülsenfrüchten machen. Man müsste sich ein
bisschen davon lösen, dass immer zu jeder Mahlzeit ein Stück Fleisch
dazugehört. Einfach offen sein. Wer überhaupt keine Inspiration findet, kann
sich z.B. unsere Speisekarte ansehen, da kommen einem auch sicher Ideen für
Zuhause.
Mal wieder zurückgreifend:
Du hast mit 13 begonnen, dich vegetarisch zu ernähren. Ist dir das nie schwer
gefallen, z.B. wenn du mit Freunden unterwegs warst, eine fleischlose Ernährung
durchzuziehen? Will man da nie Fast Food essen gehen wie alle anderen auch?
-Es gab eine Zeit, ich war Anfang 20, da hab
ich in einem Betrieb gearbeitet, in dem es Kantinenessen gab. Man konnte jeden
Mittag zwischen zwei Gerichten wählen, und da hab ich für mich immer das am
wenigsten Fleischige gewählt. Und ich hab mir immer Salat bestellt. Aber nur
ein Salat sättigt einen nicht wirklich, wenn man den ganzen Tag hart arbeitet.
Mir reicht das nicht, um mich satt und ausgeglichen zu fühlen. Dann hab ich mir
ab und zu Gerichte bestellt, aus denen ich das Fleisch dann raussortiert habe.
Da hatte ich aber auch schon mal Rückfälle, ich dachte mir: Wenn ich's
aussortiere und es dann weggeschmissen wird, bringt das auch nichts. Dann kann
ich's ja auch gleich essen. Da hat mein Körper aber nicht mehr gut darauf
reagiert: mit Pickeln, und ich bin aufgequollen wie ´ne Dampfnudel. Ich hab
mich nicht wohlgefühlt. Dann hab ich das ganz schnell wieder eingestellt.
Du ernährst dich
momentan vegan. Und die gängigste Meinung ist wohl, dass das ziemlich extrem
ist. Viele glauben, dass man dann so gut wie nichts mehr essen kann. - Findest du es einfach?
-Ja.
Und wie ist es
so, außerhalb essen zu gehen, sich irgendwo was zu bestellen?
Ich geh jeden Sonntag hier in Aachen in einem
anderen Restaurant essen und bin nie hungrig zurückgekehrt. Ich setzt mich hin,
strahl die Leute an und frage sie einfach, was sie für mich so haben. Das ist
auch nicht immer nur Gemüsetopf mit Reis oder sowas. Das ist nicht schwer. Wenn
ich da jetzt hingehen und meckern würde, würde man mir auch nicht
entgegenkommen. Aber ich setz mich einfach mal hin und schaue, was möglich ist.
Das hört sich bei
dir alles sehr spaßig und einfach an. So einfach stelle ich mir das nicht vor,
so aus dem Stegreif ein Restaurant zu eröffnen.
-Aachen ist ja, sagen wir mal, eine
„Maschinenbauer-Stadt“… :) . Einfacher ist es
sicher in Städten, in denen größere Universitäten soziale oder
geisteswissenschaftliche Fächer anbieten, weil da die alternative Szene stärker
ist. Das ist nun mal so, dass Studenten da viel bewegen. Aachen ist da
vielleicht ein steinigeres Pflaster, wenn man sich mal überlegt, dass, bis ich
aufgemacht hab, sich kein einziges vegetarisches Restaurant wirklich etablieren
konnte. Es gab einige Leute, deren Anläufe nicht geklappt haben, aus welchen
Gründen auch immer. Es ist wichtig, dass Gäste und Gastronom miteinander in
Kommunikation treten und an einem Strang ziehen. Ich wusste, dass es hier in
Aachen schwierig werden könnte und habe, bevor ich aufgemacht habe, einen
Online-Fragebogen erstellt, um mich auf Wünsche der Gäste einstellen zu können.
Ich wollte sehen, ob die Leute die Bereitschaft dazu haben, mein Konzept zu
unterstützen.
Gab's da keine
Negativreaktionen? Leute, die die Idee komplett doof fanden, ein veganes
Restaurant zu betreiben?
Das hat sich, bevor ich eröffnet hab, schon
rumgesprochen. Und ich hab, während ich mit organisatorischen Dingen
beschäftigt war, am Rande mitbekommen, dass es auch Skeptiker gab, die der
Meinung waren, ich könne mir ja schon mal einen Insolvenzberater organisieren.
„Das wird nie was!“ hab ich oft gehört. Aber da muss man eben durch. Es gibt
Kritik, die man annehmen sollte, nämlich konstruktive Kritik, gerade in den
ersten Wochen und Monaten. Klar, jedes Ding was neu aufgebaut wird, jedes Baby
fällt am Anfang hin, wenn es laufen lernt. So ist das bei einem Unternehmen
auch, es läuft nicht ohne Kinderkrankheiten. Anregungen sind bei mir sehr wohl
eingegangen, aber ich hab auch Menschen erlebt, die alles niedermachen, mit dem
Hammer auf etwas draufhauen, was es noch gar nicht gibt. Wenn irgendwo ein
vegetarisches Restaurant eröffnet, heißt das ja nicht, dass es nirgendwo mehr
Currywurst mit Fritten zu essen gibt…
Eva, warum
eigentlich in Aachen, in der Maschinenbauer-Stadt?
-Ich hab schon immer hier
gewohnt, meine Familie wohnt in Aachen, Simmerath,… und ich hab meine sozialen
Projekte hier aufgebaut, ich fühl mich hier einfach wohl. Ich bin gerne in Aachen,
da gab's nie den Gedanken, in eine andere Stadt zu gehen. Die nächste Stadt, die
für so ein Restaurant in Frage käme, wäre Köln gewesen. Aber da gibt’s jetzt
schon ein veganes Restaurant. Wir vegan/vegetarisch- Gastronomen sind eng
miteinander vernetzt, mit dem in Köln schreiben wir uns sehr oft. Ich habe auch
in Berlin Kontakte. Ich war vor der Eröffnung zwei Wochen in Berlin, bin von
Restaurant zu Restaurant gegangen, hab mich da vorgestellt und mir Anregungen
geholt. Auch hier in Aachen haben wir untereinander Kontakte und unterstützen
uns. Es gibt da zum Beispiel den Öcher-Eistreff, und der Marcel, dem das
gehört, hat auch veganes Eis.
Was wünscht du
dir für deine Kundschaft, was soll hängenbleiben?
-Also, was mich am glücklichsten macht ist, dass
die Leute die hier essen kommen, mich manchmal
ganz neugierig fragen, wie ich das gemacht hab. Dann gebe ich ihnen
Tipps, dann sind alle anderen still und hören mir zu. „Wie hast du das Sojazeug
so lecker gemacht?“ Dann nehme ich mir einen Zettel und schreib die Basics
auf. Und krieg E-Mails zurück: „Ich hab das so und so ausprobiert, das hat
super geklappt…“. Ich möchte die Leute ermutigen und ihre Fragen beantworten
und einfach mit ihnen kommunizieren. Ich bin hier im Service, Nuria ist in der
Küche. Und ich kann zwischen Tür und Angel, zwischen Suppe und Hauptgericht
kleine Vorträge und Crashkurse halten und Tipps geben. Und es gibt Feedback wie
„Wir haben so friedlich gegessen, wir haben vegan gegessen“. Bei manchen Gästen
kommt das schlechte Gewissen hoch, sie sagen „Wie konnten wir so blind sein,
wir haben unsere Kinder unser Leben lang mit Fleisch aus Massentierhaltung
ernährt“. Dazu kann ich nur sagen, dass man nur zwei Hände hat, mit denen man
rumschrauben kann, man kann nicht alles gleichzeitig machen (sprich: Tolle Kinder erziehen, Arbeit,
Haushalt, etc…) Immer nur eine Baustelle gleichzeitig anpacken, sonst kommt
man ja automatisch ins Schleudern. Man sollte sich in seinem eigenen Tempo
entwickeln, ich will ja nicht, dass sich irgendwer schlecht fühlt.
Und für dich
persönlich? Irgendwelche Zukunftswünsche?
-Ich muss mich selbst gerade ein wenig
bremsen, mein Kopf ist voller Ideen, mein Gehirn ist wie eine Kreativmaschine,
das kann einen ganz schön verrückt machen. Was ich im Moment übe, ist den
Erfolg von "Pfannenzauber" ein wenig zu genießen und zu entspannen und kleinere
Projekte anzupacken. Wie zum Beispiel die Kochkurse bei der VHS. Und vielleicht
in einem Jahr will ich größere Projekte anpacken.
Wie kommst du
eigentlich zu so einem Namen wie Pfannenzauber?
-So! ( und sie schnipst mit den Fingern, schnipp,
klick )
Einfach so (wir schnipsen ein wenig mit)?
-Ja. Das ganze Konzept ist auch über Nacht entstanden.
Ich bin in der Nacht aufgewacht, das hat mich nicht in Ruhe gelassen. Dann bin
ich aufgestanden und hab das ganze Konzept runtergeschrieben, von A-Z, auf so
vielen Seiten, in so klein (zeigt uns mit
den Fingern an, wie klein). 'Ne Woche später hab ich meiner Chefin gesagt,
dass ich ein Restaurant eröffne und kündige (lacht). Wovor sollte ich denn Angst haben, was soll einem denn
passieren? Es kann nix passieren. Wenn sich alles sehr hürdig anfühlt, kommt
doch von irgendwo her Hilfe - sei es jemand, der sagt „Du hast mich mal nach dem
und dem gefragt, hier hast du's, ich hab's zufällig gefunden“… Und es fügt sich
alles. Und wenn sich das alles fügt, macht man das einfach. Klar ist der Anfang
schwer… wenn sich keiner bei meinen Umfragen beteiligt hätte, wenn sich alles zu
beschwerlich angefühlt hätte… aber es ging alles gut, und es hat sich richtig
angefühlt. Und das rate ich auch euch: Seid mutig und macht einfach mal das,
was sich richtig anfühlt. Man soll sich in seinem Umfeld und mit dem, was man
macht, wohlfühlen.
Wird die Welt
besser, wenn wir keine Tiere mehr essen?
-Das ist die Frage der Fragen, die find ich
echt genial. Ich weiß, dass es mir dann besser geht. Die Welt finde ich, obwohl
wir große Probleme haben, so wie sie ist, schon ziemlich gut. Wir müssen jeder
an den Schräubchen drehen, an die wir rankommen, und uns auf kleinere Sachen
konzentrieren… Schwierig, hmmm… Also, wenn's keine Schlachthöfe gäbe, wenn's keine
Massenbetriebe mehr gäbe, dann fänd ich das natürlich ziemlich viel besser.
Wenn jemand Bock auf Kuh hat, soll er sie sich doch in den Garten stellen und
gucken, ob er das übers Herz bringt, die zu essen. Dann wär das Tier nicht mehr
anonym. Und selbst wenn er sie essen könnte, dann hat er sie doch vorher
gefüttert und gepflegt. Das wär keine anonyme Fließbandschlachtung, bei der man
vergisst, dass das vorher mal ein Lebewesen war, dann hätte das Fleisch einen
ganz anderen Wert. Viele Menschen denken nicht darüber nach, dass es mal gelebt
hat.
Wie ist es denn
mit Traditionen, bei denen das gute Stück Fleisch schon Standard ist?
Weihnachtsgans?
-Ich bekomme hin und
wieder Aufträge, für Kinderkommunion oder Weihnachtsessen, und man will von mir
für die ganze Weihnachtsgesellschaft veganes Essen. Mein Herz hüpft und ich
freu mich.
Danke, Eva, für
das nette Gespräch… :)
Abfall
Bis zu 50 % des Lebendgewichtes von Tieren wird weggeschmissen - eine enorme Menge.
Arpads These, dass Massentierhaltung schon dann ein viel geringeres Problem wäre, wenn wir alles vom Tier verwenden würden, trifft also voll zu. Und Arpads Ansatz findet sich inzwischen auch in der EU
Arpads These, dass Massentierhaltung schon dann ein viel geringeres Problem wäre, wenn wir alles vom Tier verwenden würden, trifft also voll zu. Und Arpads Ansatz findet sich inzwischen auch in der EU
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