Donnerstag, 23. Mai 2013

Aachener Pfannenzauberin Eva Schwartz zum Thema "Tiere essen"


Wir haben Eva Schwartz bei einer Pressekonferenz zum Thema „Veggietag in Aachen“ kennengelernt und fanden ihr Konzept von einem tierfreien Restaurant und ihre Art, so experimentierfreudig mit ihren Zutaten umzugehen, ziemlich spannend. Die junge Frau machte auch sonst einen tiefenentspannten und liebenswürdigen Eindruck auf uns, der durch die gute Kürbissuppe, die sie zum üppigen vegetarischen Buffet beisteuerte, auch noch verstärkt wurde. Also schnell mal nachgefragt, was es mit ihrem "Pfannenzauber" auf sich hat…

Eva, seit wann isst du denn keine Tiere mehr?
-So ganz genau kann ich das nicht sagen, aber ich glaube, seit dem ich 13, 14 bin.
Ernährst du dich vegetarisch oder vegan?
-Jetzt im Moment vegan. Also seit 5 Jahren. Und seitdem ich 13 bin vegetarisch. Jetzt bin ich 30, also sind das ja dann mehr als 15 Jahre.
Dann hast du ja sehr früh angefangen. 13 finde ich schon jung, um sich bewusst zu werden, dass man auf Fleisch verzichten möchte. Wie kamst du in dem Alter zu dieser Entscheidung?
-Das ist eine Familiengeschichte. Wir hatten selbst Tiere zuhause, und es war schon normal, dass die geschlachtet wurden. Und da denkt man halt schon drüber nach, ob einem das Fleisch so lecker schmeckt, dass man eben dafür in Kauf nimmt, dass die für einen geschlachtet werden, dass Tiere dafür sterben.
Ja, wenn's einen Namen hatte, und dann auf dem Teller liegt…
-Ja… Und überhaupt, selbst wenn die keinen Namen hatten, die Hühner zum Beispiel… Ich dachte mir: „Och, die gluckern da so wunderschön im Garten rum und denen geht’s gut…“ Und so lecker finde ich Fleisch auch nicht, dass ich da nicht sagen kann, dass was anderes genauso gut geht.
Es ist ja ein langer Weg von der privaten Entscheidung, auf den Verzehr von Fleisch verzichten, bis hin zur Idee, ein vegan/ vegetarisches Restaurant zu eröffnen. Wie kamst du dazu?
-Ich habe vorher andere Projekte aufgebaut, also soziale Projekte. Ich bin Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Irgendwann hatte ich schon viele Projekte aufgebaut und unglaublich viel Spaß dabei gehabt. Und zu der Zeit ist mir auch aufgefallen, dass mir in Aachen in der Gastronomiebranche etwas fehlte, dass es hier keine vegetarischen Restaurants gibt. Ich hatte nach so vielen Jahren im sozialen Bereich Lust auf etwas Neues, einen Branchenwechsel, dachte mir, dass ich schon immer Spaß an der Gastronomie hatte und hab's einfach mal gemacht. Auf der einen Seite, um den Leuten zu vermitteln, dass rein pflanzliches Essen sehr lecker sein und Spaß machen kann. Und auf der anderen Seite aus eigener Motivation, weil man irgendwann nicht mehr weiß, wo man jetzt noch essen gehen kann…
Also gibt es hier für dich hier nirgendwo ein Restaurant, in das du gerne gehst?
-Ja, doch, schon. Es gibt andere Restaurants, in die ich gerne essen gehe. Ich geh auch jeden Sonntag in einem anderen Restaurant essen, um mal zu sehen „Hmm, was machen die so…?“ Einfach, um Sachen zu probieren. Aber hier in Aachen ist es nicht so, wie es in anderen Städten üblich ist; in ein Restaurant zu gehen und man muss gar nicht erst fragen und kann einfach alles bestellen…Das ist natürlich eine Leichtigkeit, die ein veganes Restaurant bietet. Und man fühlt in solchen Restaurants ein ganz besonderes Flair, weil die Leute sich bewusst darüber sind, dass sie rein pflanzlich und tierleidfrei essen.
Wer beliefert dich eigentlich, wo kommen deine Zutaten her?
-Es gibt Online-Versandhäuser, wo man die Basics herbekommt, sprich: Sojagranulat, Sojasteaks, veganen Käse usw. Und andere Zutaten bekommt man hier regional wunderbar, also Sojamilch und all dies. Ich hab auch ein kleines Lager, wo ich wöchentlich einkaufe. Ich fahre regelmäßig einmal die Woche ein Auto voll einkaufen, gehe durch diverse Geschäfte, und dann haben wir auch schon unseren Proviant für die ganze Woche.
Und was sind das für Online-Versandhäuser?
-AVE - es heißt „absolute vegan empire“ (lacht). Ich bin sehr zufrieden mit denen. Es ist auch sehr spannend, wie die Produkte von Monat zu Monat weiterentwickelt werden, es ist echt genial, mit denen im Austausch zu sein. Man kennt sich auch persönlich und bekommt mit, wie viel Kreativität und Entwicklung darin steckt. Die Steaks oder Medaillons, die wir heute bekommen, kann man nicht vergleichen mit dem, was man vor noch ein paar Jahren bekommen hat. Man kann die Produkte immer besser verarbeiten.
Wo nimmst du deine Rezepte her? Sind das eigene Kreationen?
Mit Beginn von "Pfannenzauber" hatte ich drei unterschiedliche Köche hier, Schüler und Studenten, die das nebenbei gemacht und mir sehr geholfen haben. Der eine hat in Aachen eine Volksküche, ist in alternativen Szenen bekannt, die kochen da vegan für ihre Veranstaltungen, die andere hat in Köln einen veganen Imbiss mit aufgebaut, also die vegane Küche da mit aufgebaut, hat aber in Aachen studiert und fand es besser, hier zu arbeiten. Und die andere war sehr talentiert im Bereich der Ayurveda-Küche… Diese drei Personen zusammen und ich mit meinen Erfahrungen haben uns super ergänzt und die ersten Schritte gewagt. Es gibt ja keine Ausbildung zum Vegan-Koch, und das ist der Punkt… Man muss sich überlegen, ob man einen ausgebildeten Koch einstellt, der zwar kochen kann, aber das Vegane nicht so draufhat. Das Zubereiten von Fleisch gehört ja zur klassischen Kochausbildung dazu… und da muss man sich eben entscheiden. Die ersten Wochen hatte ich noch einen ayurvedischen Koch und Kochausbilder mit dabei, der hat uns geschult, wie man ayurvedisch abschmeckt. Das ist natürlich ganz anders als in der klassischen Kochausbildung. Man spielt mit verschiedenen Geschmäckern. Man kennt's doch noch von der Oma, wenn die eine Prise Salz in den Kuchen gibt, wird man vielleicht sagen: „Hä?! Da kommt doch kein Salz rein?“ Aber es macht den Kuchen einfach besser. Die ayurvedische Küche ist da sogar noch ´ne Ecke drüber. Man spielt mit sieben unterschiedlichen Geschmäckern und muss diese ausbalancieren. Das alles zusammen waren die ersten anderthalb Jahre „Pfannenzauber“. Und jetzt (sie deutet auf die junge Frau am Nebentisch) ist die Nuria da, und bei ihr ist es nochmal etwas anderes. Sie ist in Indien aufgewachsen, man könnte sogar sagen „vegetarisch“ aufgewachsen, hat mit ihrer Familie nur vegetarisch gekocht. Das Ayurvedische, was wir so mühsam lernen müssen, hat sie schon in die Wiege gelegt bekommen. Und aus ihrer Liebe zum Kochen ist sie nach Südtirol, nach Savoy gegangen, das ist eine sehr hoch anerkannte Kochschule. Südtirol ist für gute Küche sehr bekannt. Sie hat ihre Kochausbildung dort gemacht, ist dann nach Eupen gezogen und hat hier als Vollzeit-Köchin angefangen. Das ist natürlich eine sagenhafte Kombination. Ich mit den Erfahrungen, die ich hier in den ersten Jahren gesammelt habe, und sie mit ihren Grundfähigkeiten und ihrer Ausbildung… Und dann läuft das immer so (sie strahlt jetzt förmlich), dass ich zu Nuria renne, wenn ich ´ne Blitzidee habe, dann sagt sie „Jaaa, das probieren wir!“- oder sie kommt mit irgendwelchen Bällchen zu mir und sagt: „Hier, probier mal, das hab ich ausprobiert“… Und wir haben einfach Spaß an diesem kreativen Umgang mit den rein pflanzlichen Lebensmitteln, also das ist einfach das, was uns immer wieder den Sonnenschein ins Gesicht zaubert, wo wir denken „Alter, wie geil ist das denn?!“ Dann rennen wir wieder mit einem neuen Kochbuch durch die Gegend. Wir kopieren Rezepte nie, weil wir eine eigene Art haben, Sachen abzuschmecken, aber wir sammeln gerne Inspirationen.
Es ist für mich auch sehr wichtig als Pädagogin, dass wir uns in unserem eigenen Tempo weiterentwickeln können, das ist ein Grundbedürfnis der Menschen: sich ohne Druck weiterentwickeln zu dürfen. Das ist super so.
Ich muss sagen, ich finde die Spielecke, die du hier hast, echt total süß. Du legst da anscheinend Wert darauf, dass hier auch Kinder herkommen und bewusst essen (lernen)…
-Ja, klar. Ich hab hier oft die typischen Familien, da sind die Kinder dabei, sitzen hier und haben „kein Bock auf Restaurant“, weil sie das aus anderen Restaurants kennen, dass sie nicht rumlaufen dürfen. Und ich guck denen dann so in die Augen und sag „Hey, guck mal, ich hab hier noch eine Spiele-Ecke“, alles ganz locker. Und dann tauen die auf, sie spielen, ich steh hinter der Theke und poliere Gläser, unterhalte mich mit ihnen, darf manchmal sogar bei den Spielen mitmachen - die Idee hinter einem Restaurant besteht doch darin, dass nicht jeder für sich jeden Nachmittag den Herd anschmeißt und für seine kleine Familie kocht, sondern dass man diese Aufgabe einfach auch mal an jemanden abgeben kann. Es spart auch Ressourcen, wenn einer für viele kocht, als dass viele einzeln kochen. Es muss ja nichts piekfeines sein, sondern ein gemütliches Miteinander, wo man sich über die Tische hinweg auch unterhalten kann. Und genau so eine Atmosphäre haben wir hier geschaffen. Die Leute sitzen hier und einer fragt, wie denn so der Burger bei uns ist. Und dann hebt ein anderer, der hier sitzt, seinen Burger hoch und ruft „So sieht der aus“- „Achso, ja. Darf ich mal probieren?“ (lacht). Und das machen alle hier. Miteinander einfach essen und genießen. Und das wiederum hat eine Vorbildfunktion für Kinder. Die merken, dass es hier nicht darum geht, dass sie unter Druck ihren Teller leer essen. Sie sollen nur Spaß und Freude am Essen haben. Fertig. Und wenn die Kinder Fragen haben, haben die Eltern Antworten für sie, es wird ja alles nur rein pflanzlich zubereitet. Es finden schon interessante Gespräche zwischen Eltern und Kindern statt… Wobei ich niemandem vorschreiben möchte, seine Kinder so oder so zu ernähren, ich glaub das weiß eine Mutter am besten, was bei ihrem Kind für eine gesunde Entwicklung sorgt.
Wie sieht eigentlich deine Kundschaft aus? Besteht die aus Vegetariern/ Veganern, hast du hier auch schon mal Fleischesser, die etwas Neues ausprobieren wollen?
-Dazu habe ich letztes Jahr mal eine Umfrage gemacht, weil ich das auch wissen wollte. Laut der Umfrage sind 50% der Gäste im Prinzip Fleischesser, die bewusst auf tierische Produkte verzichten wollen, wenn sie hier hinkommen. Sie mögen die Abwechslung auf der Speisekarte, unsere Kreativität, die Atmosphäre… Und die andere Hälfte sind Veganer, Vegetarier und/oder Allergiker.
Bei vielen ist nicht das vorrangige Ziel, sich komplett vegan zu ernähren, sondern einfach im Alltag auch mal auf Fleisch zu verzichten. Wenn sie Fleisch essen, dann wollen sie sich auch informieren, was für eine Vorgeschichte das hat.
Hast du für Leute, die ihre Ernährung auf eine vegane/vegetarische umstellen wollen irgendwelche Tipps, die man ganz einfach umsetzen kann?
-Mein erster Tipp wäre: Mutig sein und ausprobieren! Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn die vegane oder vegetarische Kost zuhause nicht so schmeckt wie hier…
Zweitens: Ins Gespräch kommen! Mit mir zum Beispiel. Oder im Internet. Es gibt online wirklich geniale fleischfreie Rezepte.
Viele Anfänger machen den Fehler, sich direkt Fleischersatz, riesige Steaks aus Soja zu holen, die wirklich schwierig zuzubereiten sind. Die müssen, so wie Fleisch auch, mariniert werden und nehmen den Geschmack von Würze ganz anders auf. Da rate ich: lieber mit kleineren Teilchen anfangen - es gibt Sojagranulat, da kann man eine super Bolognese daraus machen. Oder Sojageschnetzeltes… alles Größere würde ich am Anfang weglassen. Und man kann viel aus Linsen, Getreide und Hülsenfrüchten machen. Man müsste sich ein bisschen davon lösen, dass immer zu jeder Mahlzeit ein Stück Fleisch dazugehört. Einfach offen sein. Wer überhaupt keine Inspiration findet, kann sich z.B. unsere Speisekarte ansehen, da kommen einem auch sicher Ideen für Zuhause.
Mal wieder zurückgreifend: Du hast mit 13 begonnen, dich vegetarisch zu ernähren. Ist dir das nie schwer gefallen, z.B. wenn du mit Freunden unterwegs warst, eine fleischlose Ernährung durchzuziehen? Will man da nie Fast Food essen gehen wie alle anderen auch?
-Es gab eine Zeit, ich war Anfang 20, da hab ich in einem Betrieb gearbeitet, in dem es Kantinenessen gab. Man konnte jeden Mittag zwischen zwei Gerichten wählen, und da hab ich für mich immer das am wenigsten Fleischige gewählt. Und ich hab mir immer Salat bestellt. Aber nur ein Salat sättigt einen nicht wirklich, wenn man den ganzen Tag hart arbeitet. Mir reicht das nicht, um mich satt und ausgeglichen zu fühlen. Dann hab ich mir ab und zu Gerichte bestellt, aus denen ich das Fleisch dann raussortiert habe. Da hatte ich aber auch schon mal Rückfälle, ich dachte mir: Wenn ich's aussortiere und es dann weggeschmissen wird, bringt das auch nichts. Dann kann ich's ja auch gleich essen. Da hat mein Körper aber nicht mehr gut darauf reagiert: mit Pickeln, und ich bin aufgequollen wie ´ne Dampfnudel. Ich hab mich nicht wohlgefühlt. Dann hab ich das ganz schnell wieder eingestellt.
Du ernährst dich momentan vegan. Und die gängigste Meinung ist wohl, dass das ziemlich extrem ist. Viele glauben, dass man dann so gut wie nichts mehr essen kann. - Findest du es einfach?
-Ja.
Und wie ist es so, außerhalb essen zu gehen, sich irgendwo was zu bestellen?
Ich geh jeden Sonntag hier in Aachen in einem anderen Restaurant essen und bin nie hungrig zurückgekehrt. Ich setzt mich hin, strahl die Leute an und frage sie einfach, was sie für mich so haben. Das ist auch nicht immer nur Gemüsetopf mit Reis oder sowas. Das ist nicht schwer. Wenn ich da jetzt hingehen und meckern würde, würde man mir auch nicht entgegenkommen. Aber ich setz mich einfach mal hin und schaue, was möglich ist.

Das hört sich bei dir alles sehr spaßig und einfach an. So einfach stelle ich mir das nicht vor, so aus dem Stegreif ein Restaurant zu eröffnen.
-Aachen ist ja, sagen wir mal, eine „Maschinenbauer-Stadt“… :) . Einfacher ist es sicher in Städten, in denen größere Universitäten soziale oder geisteswissenschaftliche Fächer anbieten, weil da die alternative Szene stärker ist. Das ist nun mal so, dass Studenten da viel bewegen. Aachen ist da vielleicht ein steinigeres Pflaster, wenn man sich mal überlegt, dass, bis ich aufgemacht hab, sich kein einziges vegetarisches Restaurant wirklich etablieren konnte. Es gab einige Leute, deren Anläufe nicht geklappt haben, aus welchen Gründen auch immer. Es ist wichtig, dass Gäste und Gastronom miteinander in Kommunikation treten und an einem Strang ziehen. Ich wusste, dass es hier in Aachen schwierig werden könnte und habe, bevor ich aufgemacht habe, einen Online-Fragebogen erstellt, um mich auf Wünsche der Gäste einstellen zu können. Ich wollte sehen, ob die Leute die Bereitschaft dazu haben, mein Konzept zu unterstützen.
Gab's da keine Negativreaktionen? Leute, die die Idee komplett doof fanden, ein veganes Restaurant zu betreiben?
Das hat sich, bevor ich eröffnet hab, schon rumgesprochen. Und ich hab, während ich mit organisatorischen Dingen beschäftigt war, am Rande mitbekommen, dass es auch Skeptiker gab, die der Meinung waren, ich könne mir ja schon mal einen Insolvenzberater organisieren. „Das wird nie was!“ hab ich oft gehört. Aber da muss man eben durch. Es gibt Kritik, die man annehmen sollte, nämlich konstruktive Kritik, gerade in den ersten Wochen und Monaten. Klar, jedes Ding was neu aufgebaut wird, jedes Baby fällt am Anfang hin, wenn es laufen lernt. So ist das bei einem Unternehmen auch, es läuft nicht ohne Kinderkrankheiten. Anregungen sind bei mir sehr wohl eingegangen, aber ich hab auch Menschen erlebt, die alles niedermachen, mit dem Hammer auf etwas draufhauen, was es noch gar nicht gibt. Wenn irgendwo ein vegetarisches Restaurant eröffnet, heißt das ja nicht, dass es nirgendwo mehr Currywurst mit Fritten zu essen gibt…

Eva, warum eigentlich in Aachen, in der Maschinenbauer-Stadt?
-Ich hab schon immer hier gewohnt, meine Familie wohnt in Aachen, Simmerath,… und ich hab meine sozialen Projekte hier aufgebaut, ich fühl mich hier einfach wohl. Ich bin gerne in Aachen, da gab's nie den Gedanken, in eine andere Stadt zu gehen. Die nächste Stadt, die für so ein Restaurant in Frage käme, wäre Köln gewesen. Aber da gibt’s jetzt schon ein veganes Restaurant. Wir vegan/vegetarisch- Gastronomen sind eng miteinander vernetzt, mit dem in Köln schreiben wir uns sehr oft. Ich habe auch in Berlin Kontakte. Ich war vor der Eröffnung zwei Wochen in Berlin, bin von Restaurant zu Restaurant gegangen, hab mich da vorgestellt und mir Anregungen geholt. Auch hier in Aachen haben wir untereinander Kontakte und unterstützen uns. Es gibt da zum Beispiel den Öcher-Eistreff, und der Marcel, dem das gehört, hat auch veganes Eis.

Was wünscht du dir für deine Kundschaft, was soll hängenbleiben?
-Also, was mich am glücklichsten macht ist, dass die Leute die hier essen kommen, mich manchmal  ganz neugierig fragen, wie ich das gemacht hab. Dann gebe ich ihnen Tipps, dann sind alle anderen still und hören mir zu. „Wie hast du das Sojazeug so lecker gemacht?“ Dann nehme ich mir einen Zettel und schreib die Basics auf. Und krieg E-Mails zurück: „Ich hab das so und so ausprobiert, das hat super geklappt…“. Ich möchte die Leute ermutigen und ihre Fragen beantworten und einfach mit ihnen kommunizieren. Ich bin hier im Service, Nuria ist in der Küche. Und ich kann zwischen Tür und Angel, zwischen Suppe und Hauptgericht kleine Vorträge und Crashkurse halten und Tipps geben. Und es gibt Feedback wie „Wir haben so friedlich gegessen, wir haben vegan gegessen“. Bei manchen Gästen kommt das schlechte Gewissen hoch, sie sagen „Wie konnten wir so blind sein, wir haben unsere Kinder unser Leben lang mit Fleisch aus Massentierhaltung ernährt“. Dazu kann ich nur sagen, dass man nur zwei Hände hat, mit denen man rumschrauben kann, man kann nicht alles gleichzeitig machen (sprich: Tolle Kinder erziehen, Arbeit, Haushalt, etc…) Immer nur eine Baustelle gleichzeitig anpacken, sonst kommt man ja automatisch ins Schleudern. Man sollte sich in seinem eigenen Tempo entwickeln, ich will ja nicht, dass sich irgendwer schlecht fühlt.

Und für dich persönlich? Irgendwelche Zukunftswünsche?
-Ich muss mich selbst gerade ein wenig bremsen, mein Kopf ist voller Ideen, mein Gehirn ist wie eine Kreativmaschine, das kann einen ganz schön verrückt machen. Was ich im Moment übe, ist den Erfolg von "Pfannenzauber" ein wenig zu genießen und zu entspannen und kleinere Projekte anzupacken. Wie zum Beispiel die Kochkurse bei der VHS. Und vielleicht in einem Jahr will ich größere Projekte anpacken.

Wie kommst du eigentlich zu so einem Namen wie Pfannenzauber?
-So! ( und sie schnipst mit den Fingern, schnipp, klick )

Einfach so (wir schnipsen ein wenig mit)?
-Ja. Das ganze Konzept ist auch über Nacht entstanden. Ich bin in der Nacht aufgewacht, das hat mich nicht in Ruhe gelassen. Dann bin ich aufgestanden und hab das ganze Konzept runtergeschrieben, von A-Z, auf so vielen Seiten, in so klein (zeigt uns mit den Fingern an, wie klein). 'Ne Woche später hab ich meiner Chefin gesagt, dass ich ein Restaurant eröffne und kündige (lacht). Wovor sollte ich denn Angst haben, was soll einem denn passieren? Es kann nix passieren. Wenn sich alles sehr hürdig anfühlt, kommt doch von irgendwo her Hilfe - sei es jemand, der sagt „Du hast mich mal nach dem und dem gefragt, hier hast du's, ich hab's zufällig gefunden“… Und es fügt sich alles. Und wenn sich das alles fügt, macht man das einfach. Klar ist der Anfang schwer… wenn sich keiner bei meinen Umfragen beteiligt hätte, wenn sich alles zu beschwerlich angefühlt hätte… aber es ging alles gut, und es hat sich richtig angefühlt. Und das rate ich auch euch: Seid mutig und macht einfach mal das, was sich richtig anfühlt. Man soll sich in seinem Umfeld und mit dem, was man macht, wohlfühlen.

Wird die Welt besser, wenn wir keine Tiere mehr essen?
-Das ist die Frage der Fragen, die find ich echt genial. Ich weiß, dass es mir dann besser geht. Die Welt finde ich, obwohl wir große Probleme haben, so wie sie ist, schon ziemlich gut. Wir müssen jeder an den Schräubchen drehen, an die wir rankommen, und uns auf kleinere Sachen konzentrieren… Schwierig, hmmm… Also, wenn's keine Schlachthöfe gäbe, wenn's keine Massenbetriebe mehr gäbe, dann fänd ich das natürlich ziemlich viel besser. Wenn jemand Bock auf Kuh hat, soll er sie sich doch in den Garten stellen und gucken, ob er das übers Herz bringt, die zu essen. Dann wär das Tier nicht mehr anonym. Und selbst wenn er sie essen könnte, dann hat er sie doch vorher gefüttert und gepflegt. Das wär keine anonyme Fließbandschlachtung, bei der man vergisst, dass das vorher mal ein Lebewesen war, dann hätte das Fleisch einen ganz anderen Wert. Viele Menschen denken nicht darüber nach, dass es mal gelebt hat.

Wie ist es denn mit Traditionen, bei denen das gute Stück Fleisch schon Standard ist? Weihnachtsgans?

-Ich bekomme hin und wieder Aufträge, für Kinderkommunion oder Weihnachtsessen, und man will von mir für die ganze Weihnachtsgesellschaft veganes Essen. Mein Herz hüpft und ich freu mich.


Danke, Eva, für das nette Gespräch…  :)