Wir haben Eva Schwartz bei einer
Pressekonferenz zum Thema „Veggietag in Aachen“ kennengelernt und fanden ihr
Konzept von einem tierfreien Restaurant und ihre Art, so experimentierfreudig
mit ihren Zutaten umzugehen, ziemlich spannend. Die junge Frau machte auch
sonst einen tiefenentspannten und liebenswürdigen Eindruck auf uns, der durch
die gute Kürbissuppe, die sie zum üppigen vegetarischen Buffet beisteuerte,
auch noch verstärkt wurde. Also schnell mal nachgefragt, was es mit ihrem
"Pfannenzauber" auf sich hat…
Eva, seit wann
isst du denn keine Tiere mehr?
-So ganz genau kann ich das nicht sagen, aber
ich glaube, seit dem ich 13, 14 bin.
Ernährst du dich
vegetarisch oder vegan?
-Jetzt im Moment vegan. Also seit 5 Jahren.
Und seitdem ich 13 bin vegetarisch. Jetzt bin ich 30, also sind das ja dann
mehr als 15 Jahre.
Dann hast du ja
sehr früh angefangen. 13 finde ich schon jung, um sich bewusst zu werden, dass
man auf Fleisch verzichten möchte. Wie kamst du in dem Alter zu dieser
Entscheidung?
-Das ist eine
Familiengeschichte. Wir hatten selbst Tiere zuhause, und es war schon normal,
dass die geschlachtet wurden. Und da denkt man halt schon drüber nach, ob einem
das Fleisch so lecker schmeckt, dass man eben dafür in Kauf nimmt, dass die für
einen geschlachtet werden, dass Tiere dafür sterben.
Ja, wenn's einen
Namen hatte, und dann auf dem Teller liegt…
-Ja… Und überhaupt, selbst wenn die keinen
Namen hatten, die Hühner zum Beispiel… Ich dachte mir: „Och, die gluckern da so
wunderschön im Garten rum und denen geht’s gut…“ Und so lecker finde ich
Fleisch auch nicht, dass ich da nicht sagen kann, dass was anderes genauso gut
geht.
Es ist ja ein langer
Weg von der privaten Entscheidung, auf den Verzehr von Fleisch verzichten, bis
hin zur Idee, ein vegan/ vegetarisches Restaurant zu eröffnen. Wie kamst du
dazu?
-Ich habe vorher andere Projekte aufgebaut,
also soziale Projekte. Ich bin Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin.
Irgendwann hatte ich schon viele Projekte aufgebaut und unglaublich viel Spaß
dabei gehabt. Und zu der Zeit ist mir auch aufgefallen, dass mir in Aachen in
der Gastronomiebranche etwas fehlte, dass es hier keine vegetarischen
Restaurants gibt. Ich hatte nach so vielen Jahren im sozialen Bereich Lust auf
etwas Neues, einen Branchenwechsel, dachte mir, dass ich schon immer Spaß an
der Gastronomie hatte und hab's einfach mal gemacht. Auf der einen Seite, um den
Leuten zu vermitteln, dass rein pflanzliches Essen sehr lecker sein und Spaß
machen kann. Und auf der anderen Seite aus eigener Motivation, weil man
irgendwann nicht mehr weiß, wo man jetzt noch essen gehen kann…
Also gibt es hier
für dich hier nirgendwo ein Restaurant, in das du gerne gehst?
-Ja, doch, schon. Es gibt andere Restaurants,
in die ich gerne essen gehe. Ich geh auch jeden Sonntag in einem anderen
Restaurant essen, um mal zu sehen „Hmm, was machen die so…?“ Einfach, um Sachen
zu probieren. Aber hier in Aachen ist es nicht so, wie es in anderen Städten
üblich ist; in ein Restaurant zu gehen und man muss gar nicht erst fragen und kann
einfach alles bestellen…Das ist natürlich eine Leichtigkeit, die ein veganes
Restaurant bietet. Und man fühlt in solchen Restaurants ein ganz besonderes
Flair, weil die Leute sich bewusst darüber sind, dass sie rein pflanzlich und
tierleidfrei essen.
Wer beliefert
dich eigentlich, wo kommen deine Zutaten her?
-Es gibt Online-Versandhäuser,
wo man die Basics herbekommt, sprich: Sojagranulat, Sojasteaks, veganen Käse
usw. Und andere Zutaten bekommt man hier regional wunderbar, also Sojamilch und
all dies. Ich hab auch ein kleines Lager, wo ich wöchentlich einkaufe. Ich
fahre regelmäßig einmal die Woche ein Auto voll einkaufen, gehe durch diverse
Geschäfte, und dann haben wir auch schon unseren Proviant für die ganze Woche.
Und was sind das
für Online-Versandhäuser?
-AVE - es heißt „absolute vegan empire“ (lacht).
Ich bin sehr zufrieden mit denen. Es ist auch sehr spannend, wie die Produkte von
Monat zu Monat weiterentwickelt werden, es ist echt genial, mit denen im
Austausch zu sein. Man kennt sich auch persönlich und bekommt mit, wie viel Kreativität
und Entwicklung darin steckt. Die Steaks oder Medaillons, die wir heute
bekommen, kann man nicht vergleichen mit dem, was man vor noch ein paar Jahren
bekommen hat. Man kann die Produkte immer besser verarbeiten.
Wo nimmst du
deine Rezepte her? Sind das eigene Kreationen?
Mit Beginn von "Pfannenzauber" hatte ich drei
unterschiedliche Köche hier, Schüler und Studenten, die das nebenbei gemacht
und mir sehr geholfen haben. Der eine hat in Aachen eine Volksküche, ist in
alternativen Szenen bekannt, die kochen da vegan für ihre Veranstaltungen, die
andere hat in Köln einen veganen Imbiss mit aufgebaut, also die vegane Küche da
mit aufgebaut, hat aber in Aachen studiert und fand es besser, hier zu arbeiten.
Und die andere war sehr talentiert im Bereich der Ayurveda-Küche… Diese drei
Personen zusammen und ich mit meinen Erfahrungen haben uns super ergänzt und
die ersten Schritte gewagt. Es gibt ja keine Ausbildung zum Vegan-Koch, und das
ist der Punkt… Man muss sich überlegen, ob man einen ausgebildeten Koch
einstellt, der zwar kochen kann, aber das Vegane nicht so draufhat. Das
Zubereiten von Fleisch gehört ja zur klassischen Kochausbildung dazu… und da
muss man sich eben entscheiden. Die ersten Wochen hatte ich noch einen
ayurvedischen Koch und Kochausbilder mit dabei, der hat uns geschult, wie man
ayurvedisch abschmeckt. Das ist natürlich ganz anders als in der klassischen
Kochausbildung. Man spielt mit verschiedenen Geschmäckern. Man kennt's doch noch
von der Oma, wenn die eine Prise Salz in den Kuchen gibt, wird man vielleicht
sagen: „Hä?! Da kommt doch kein Salz rein?“ Aber es macht den Kuchen einfach
besser. Die ayurvedische Küche ist da sogar noch ´ne Ecke drüber. Man spielt
mit sieben unterschiedlichen Geschmäckern und muss diese ausbalancieren. Das
alles zusammen waren die ersten anderthalb Jahre „Pfannenzauber“. Und jetzt (sie deutet auf die junge Frau am Nebentisch)
ist die Nuria da, und bei ihr ist es nochmal etwas anderes. Sie ist in Indien
aufgewachsen, man könnte sogar sagen „vegetarisch“ aufgewachsen, hat mit ihrer
Familie nur vegetarisch gekocht. Das Ayurvedische, was wir so mühsam lernen
müssen, hat sie schon in die Wiege gelegt bekommen. Und aus ihrer Liebe zum
Kochen ist sie nach Südtirol, nach Savoy gegangen, das ist eine sehr hoch
anerkannte Kochschule. Südtirol ist für gute Küche sehr bekannt. Sie hat ihre
Kochausbildung dort gemacht, ist dann nach Eupen gezogen und hat hier als
Vollzeit-Köchin angefangen. Das ist natürlich eine sagenhafte Kombination. Ich
mit den Erfahrungen, die ich hier in den ersten Jahren gesammelt habe, und sie
mit ihren Grundfähigkeiten und ihrer Ausbildung… Und dann läuft das immer so
(sie strahlt jetzt förmlich), dass ich zu Nuria renne, wenn ich ´ne Blitzidee
habe, dann sagt sie „Jaaa, das probieren wir!“- oder sie kommt mit irgendwelchen
Bällchen zu mir und sagt: „Hier, probier mal, das hab ich ausprobiert“… Und wir
haben einfach Spaß an diesem kreativen Umgang mit den rein pflanzlichen
Lebensmitteln, also das ist einfach das, was uns immer wieder den Sonnenschein
ins Gesicht zaubert, wo wir denken „Alter, wie geil ist das denn?!“ Dann
rennen wir wieder mit einem neuen Kochbuch durch die Gegend. Wir kopieren
Rezepte nie, weil wir eine eigene Art haben, Sachen abzuschmecken, aber wir
sammeln gerne Inspirationen.
Es ist für mich auch sehr wichtig als
Pädagogin, dass wir uns in unserem eigenen Tempo weiterentwickeln können, das
ist ein Grundbedürfnis der Menschen: sich ohne Druck weiterentwickeln zu
dürfen. Das ist super so.
Ich muss sagen,
ich finde die Spielecke, die du hier hast, echt total süß. Du legst da anscheinend
Wert darauf, dass hier auch Kinder herkommen und bewusst essen (lernen)…
-Ja, klar. Ich hab hier oft die typischen
Familien, da sind die Kinder dabei, sitzen hier und haben „kein Bock auf
Restaurant“, weil sie das aus anderen Restaurants kennen, dass sie nicht
rumlaufen dürfen. Und ich guck denen dann so in die Augen und sag „Hey, guck
mal, ich hab hier noch eine Spiele-Ecke“, alles ganz locker. Und dann tauen die
auf, sie spielen, ich steh hinter der Theke und poliere Gläser, unterhalte mich
mit ihnen, darf manchmal sogar bei den Spielen mitmachen - die Idee hinter einem
Restaurant besteht doch darin, dass nicht jeder für sich jeden Nachmittag den
Herd anschmeißt und für seine kleine Familie kocht, sondern dass man diese
Aufgabe einfach auch mal an jemanden abgeben kann. Es spart auch Ressourcen,
wenn einer für viele kocht, als dass viele einzeln kochen. Es muss ja nichts
piekfeines sein, sondern ein gemütliches Miteinander, wo man sich über die
Tische hinweg auch unterhalten kann. Und genau so eine Atmosphäre haben wir
hier geschaffen. Die Leute sitzen hier und einer fragt, wie denn so der Burger
bei uns ist. Und dann hebt ein anderer, der hier sitzt, seinen Burger hoch und
ruft „So sieht der aus“- „Achso, ja. Darf ich mal probieren?“ (lacht). Und das
machen alle hier. Miteinander einfach essen und genießen. Und das wiederum hat
eine Vorbildfunktion für Kinder. Die merken, dass es hier nicht darum geht,
dass sie unter Druck ihren Teller leer essen. Sie sollen nur Spaß und Freude am
Essen haben. Fertig. Und wenn die Kinder Fragen haben, haben die Eltern Antworten
für sie, es wird ja alles nur rein pflanzlich zubereitet. Es finden schon
interessante Gespräche zwischen Eltern und Kindern statt… Wobei ich niemandem
vorschreiben möchte, seine Kinder so oder so zu ernähren, ich glaub das weiß
eine Mutter am besten, was bei ihrem Kind für eine gesunde Entwicklung sorgt.
Wie sieht
eigentlich deine Kundschaft aus? Besteht die aus Vegetariern/ Veganern, hast du
hier auch schon mal Fleischesser, die etwas Neues ausprobieren wollen?
-Dazu habe ich letztes Jahr mal eine Umfrage
gemacht, weil ich das auch wissen wollte. Laut der Umfrage sind 50% der Gäste
im Prinzip Fleischesser, die bewusst auf tierische Produkte verzichten wollen,
wenn sie hier hinkommen. Sie mögen die Abwechslung auf der Speisekarte, unsere
Kreativität, die Atmosphäre… Und die andere Hälfte sind Veganer, Vegetarier
und/oder Allergiker.
Bei vielen ist nicht das vorrangige Ziel, sich
komplett vegan zu ernähren, sondern einfach im Alltag auch mal auf Fleisch zu
verzichten. Wenn sie Fleisch essen, dann wollen sie sich auch informieren, was
für eine Vorgeschichte das hat.
Hast du für
Leute, die ihre Ernährung auf eine vegane/vegetarische umstellen wollen irgendwelche
Tipps, die man ganz einfach umsetzen kann?
-Mein erster Tipp wäre: Mutig sein und
ausprobieren! Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn die vegane oder
vegetarische Kost zuhause nicht so schmeckt wie hier…
Zweitens: Ins Gespräch kommen! Mit mir zum
Beispiel. Oder im Internet. Es gibt online wirklich geniale fleischfreie
Rezepte.
Viele Anfänger machen den Fehler, sich direkt
Fleischersatz, riesige Steaks aus Soja zu holen, die wirklich schwierig zuzubereiten
sind. Die müssen, so wie Fleisch auch, mariniert werden und nehmen den
Geschmack von Würze ganz anders auf. Da rate ich: lieber mit kleineren Teilchen
anfangen - es gibt Sojagranulat, da kann man eine super Bolognese daraus machen.
Oder Sojageschnetzeltes… alles Größere würde ich am Anfang weglassen. Und man
kann viel aus Linsen, Getreide und Hülsenfrüchten machen. Man müsste sich ein
bisschen davon lösen, dass immer zu jeder Mahlzeit ein Stück Fleisch
dazugehört. Einfach offen sein. Wer überhaupt keine Inspiration findet, kann
sich z.B. unsere Speisekarte ansehen, da kommen einem auch sicher Ideen für
Zuhause.
Mal wieder zurückgreifend:
Du hast mit 13 begonnen, dich vegetarisch zu ernähren. Ist dir das nie schwer
gefallen, z.B. wenn du mit Freunden unterwegs warst, eine fleischlose Ernährung
durchzuziehen? Will man da nie Fast Food essen gehen wie alle anderen auch?
-Es gab eine Zeit, ich war Anfang 20, da hab
ich in einem Betrieb gearbeitet, in dem es Kantinenessen gab. Man konnte jeden
Mittag zwischen zwei Gerichten wählen, und da hab ich für mich immer das am
wenigsten Fleischige gewählt. Und ich hab mir immer Salat bestellt. Aber nur
ein Salat sättigt einen nicht wirklich, wenn man den ganzen Tag hart arbeitet.
Mir reicht das nicht, um mich satt und ausgeglichen zu fühlen. Dann hab ich mir
ab und zu Gerichte bestellt, aus denen ich das Fleisch dann raussortiert habe.
Da hatte ich aber auch schon mal Rückfälle, ich dachte mir: Wenn ich's
aussortiere und es dann weggeschmissen wird, bringt das auch nichts. Dann kann
ich's ja auch gleich essen. Da hat mein Körper aber nicht mehr gut darauf
reagiert: mit Pickeln, und ich bin aufgequollen wie ´ne Dampfnudel. Ich hab
mich nicht wohlgefühlt. Dann hab ich das ganz schnell wieder eingestellt.
Du ernährst dich
momentan vegan. Und die gängigste Meinung ist wohl, dass das ziemlich extrem
ist. Viele glauben, dass man dann so gut wie nichts mehr essen kann. - Findest du es einfach?
-Ja.
Und wie ist es
so, außerhalb essen zu gehen, sich irgendwo was zu bestellen?
Ich geh jeden Sonntag hier in Aachen in einem
anderen Restaurant essen und bin nie hungrig zurückgekehrt. Ich setzt mich hin,
strahl die Leute an und frage sie einfach, was sie für mich so haben. Das ist
auch nicht immer nur Gemüsetopf mit Reis oder sowas. Das ist nicht schwer. Wenn
ich da jetzt hingehen und meckern würde, würde man mir auch nicht
entgegenkommen. Aber ich setz mich einfach mal hin und schaue, was möglich ist.
Das hört sich bei
dir alles sehr spaßig und einfach an. So einfach stelle ich mir das nicht vor,
so aus dem Stegreif ein Restaurant zu eröffnen.
-Aachen ist ja, sagen wir mal, eine
„Maschinenbauer-Stadt“… :) . Einfacher ist es
sicher in Städten, in denen größere Universitäten soziale oder
geisteswissenschaftliche Fächer anbieten, weil da die alternative Szene stärker
ist. Das ist nun mal so, dass Studenten da viel bewegen. Aachen ist da
vielleicht ein steinigeres Pflaster, wenn man sich mal überlegt, dass, bis ich
aufgemacht hab, sich kein einziges vegetarisches Restaurant wirklich etablieren
konnte. Es gab einige Leute, deren Anläufe nicht geklappt haben, aus welchen
Gründen auch immer. Es ist wichtig, dass Gäste und Gastronom miteinander in
Kommunikation treten und an einem Strang ziehen. Ich wusste, dass es hier in
Aachen schwierig werden könnte und habe, bevor ich aufgemacht habe, einen
Online-Fragebogen erstellt, um mich auf Wünsche der Gäste einstellen zu können.
Ich wollte sehen, ob die Leute die Bereitschaft dazu haben, mein Konzept zu
unterstützen.
Gab's da keine
Negativreaktionen? Leute, die die Idee komplett doof fanden, ein veganes
Restaurant zu betreiben?
Das hat sich, bevor ich eröffnet hab, schon
rumgesprochen. Und ich hab, während ich mit organisatorischen Dingen
beschäftigt war, am Rande mitbekommen, dass es auch Skeptiker gab, die der
Meinung waren, ich könne mir ja schon mal einen Insolvenzberater organisieren.
„Das wird nie was!“ hab ich oft gehört. Aber da muss man eben durch. Es gibt
Kritik, die man annehmen sollte, nämlich konstruktive Kritik, gerade in den
ersten Wochen und Monaten. Klar, jedes Ding was neu aufgebaut wird, jedes Baby
fällt am Anfang hin, wenn es laufen lernt. So ist das bei einem Unternehmen
auch, es läuft nicht ohne Kinderkrankheiten. Anregungen sind bei mir sehr wohl
eingegangen, aber ich hab auch Menschen erlebt, die alles niedermachen, mit dem
Hammer auf etwas draufhauen, was es noch gar nicht gibt. Wenn irgendwo ein
vegetarisches Restaurant eröffnet, heißt das ja nicht, dass es nirgendwo mehr
Currywurst mit Fritten zu essen gibt…
Eva, warum
eigentlich in Aachen, in der Maschinenbauer-Stadt?
-Ich hab schon immer hier
gewohnt, meine Familie wohnt in Aachen, Simmerath,… und ich hab meine sozialen
Projekte hier aufgebaut, ich fühl mich hier einfach wohl. Ich bin gerne in Aachen,
da gab's nie den Gedanken, in eine andere Stadt zu gehen. Die nächste Stadt, die
für so ein Restaurant in Frage käme, wäre Köln gewesen. Aber da gibt’s jetzt
schon ein veganes Restaurant. Wir vegan/vegetarisch- Gastronomen sind eng
miteinander vernetzt, mit dem in Köln schreiben wir uns sehr oft. Ich habe auch
in Berlin Kontakte. Ich war vor der Eröffnung zwei Wochen in Berlin, bin von
Restaurant zu Restaurant gegangen, hab mich da vorgestellt und mir Anregungen
geholt. Auch hier in Aachen haben wir untereinander Kontakte und unterstützen
uns. Es gibt da zum Beispiel den Öcher-Eistreff, und der Marcel, dem das
gehört, hat auch veganes Eis.
Was wünscht du
dir für deine Kundschaft, was soll hängenbleiben?
-Also, was mich am glücklichsten macht ist, dass
die Leute die hier essen kommen, mich manchmal
ganz neugierig fragen, wie ich das gemacht hab. Dann gebe ich ihnen
Tipps, dann sind alle anderen still und hören mir zu. „Wie hast du das Sojazeug
so lecker gemacht?“ Dann nehme ich mir einen Zettel und schreib die Basics
auf. Und krieg E-Mails zurück: „Ich hab das so und so ausprobiert, das hat
super geklappt…“. Ich möchte die Leute ermutigen und ihre Fragen beantworten
und einfach mit ihnen kommunizieren. Ich bin hier im Service, Nuria ist in der
Küche. Und ich kann zwischen Tür und Angel, zwischen Suppe und Hauptgericht
kleine Vorträge und Crashkurse halten und Tipps geben. Und es gibt Feedback wie
„Wir haben so friedlich gegessen, wir haben vegan gegessen“. Bei manchen Gästen
kommt das schlechte Gewissen hoch, sie sagen „Wie konnten wir so blind sein,
wir haben unsere Kinder unser Leben lang mit Fleisch aus Massentierhaltung
ernährt“. Dazu kann ich nur sagen, dass man nur zwei Hände hat, mit denen man
rumschrauben kann, man kann nicht alles gleichzeitig machen (sprich: Tolle Kinder erziehen, Arbeit,
Haushalt, etc…) Immer nur eine Baustelle gleichzeitig anpacken, sonst kommt
man ja automatisch ins Schleudern. Man sollte sich in seinem eigenen Tempo
entwickeln, ich will ja nicht, dass sich irgendwer schlecht fühlt.
Und für dich
persönlich? Irgendwelche Zukunftswünsche?
-Ich muss mich selbst gerade ein wenig
bremsen, mein Kopf ist voller Ideen, mein Gehirn ist wie eine Kreativmaschine,
das kann einen ganz schön verrückt machen. Was ich im Moment übe, ist den
Erfolg von "Pfannenzauber" ein wenig zu genießen und zu entspannen und kleinere
Projekte anzupacken. Wie zum Beispiel die Kochkurse bei der VHS. Und vielleicht
in einem Jahr will ich größere Projekte anpacken.
Wie kommst du
eigentlich zu so einem Namen wie Pfannenzauber?
-So! ( und sie schnipst mit den Fingern, schnipp,
klick )
Einfach so (wir schnipsen ein wenig mit)?
-Ja. Das ganze Konzept ist auch über Nacht entstanden.
Ich bin in der Nacht aufgewacht, das hat mich nicht in Ruhe gelassen. Dann bin
ich aufgestanden und hab das ganze Konzept runtergeschrieben, von A-Z, auf so
vielen Seiten, in so klein (zeigt uns mit
den Fingern an, wie klein). 'Ne Woche später hab ich meiner Chefin gesagt,
dass ich ein Restaurant eröffne und kündige (lacht). Wovor sollte ich denn Angst haben, was soll einem denn
passieren? Es kann nix passieren. Wenn sich alles sehr hürdig anfühlt, kommt
doch von irgendwo her Hilfe - sei es jemand, der sagt „Du hast mich mal nach dem
und dem gefragt, hier hast du's, ich hab's zufällig gefunden“… Und es fügt sich
alles. Und wenn sich das alles fügt, macht man das einfach. Klar ist der Anfang
schwer… wenn sich keiner bei meinen Umfragen beteiligt hätte, wenn sich alles zu
beschwerlich angefühlt hätte… aber es ging alles gut, und es hat sich richtig
angefühlt. Und das rate ich auch euch: Seid mutig und macht einfach mal das,
was sich richtig anfühlt. Man soll sich in seinem Umfeld und mit dem, was man
macht, wohlfühlen.
Wird die Welt
besser, wenn wir keine Tiere mehr essen?
-Das ist die Frage der Fragen, die find ich
echt genial. Ich weiß, dass es mir dann besser geht. Die Welt finde ich, obwohl
wir große Probleme haben, so wie sie ist, schon ziemlich gut. Wir müssen jeder
an den Schräubchen drehen, an die wir rankommen, und uns auf kleinere Sachen
konzentrieren… Schwierig, hmmm… Also, wenn's keine Schlachthöfe gäbe, wenn's keine
Massenbetriebe mehr gäbe, dann fänd ich das natürlich ziemlich viel besser.
Wenn jemand Bock auf Kuh hat, soll er sie sich doch in den Garten stellen und
gucken, ob er das übers Herz bringt, die zu essen. Dann wär das Tier nicht mehr
anonym. Und selbst wenn er sie essen könnte, dann hat er sie doch vorher
gefüttert und gepflegt. Das wär keine anonyme Fließbandschlachtung, bei der man
vergisst, dass das vorher mal ein Lebewesen war, dann hätte das Fleisch einen
ganz anderen Wert. Viele Menschen denken nicht darüber nach, dass es mal gelebt
hat.
Wie ist es denn
mit Traditionen, bei denen das gute Stück Fleisch schon Standard ist?
Weihnachtsgans?
-Ich bekomme hin und
wieder Aufträge, für Kinderkommunion oder Weihnachtsessen, und man will von mir
für die ganze Weihnachtsgesellschaft veganes Essen. Mein Herz hüpft und ich
freu mich.
Danke, Eva, für
das nette Gespräch… :)
