Freitag, 24. Mai 2013

Investigativer Theatralismus




Heute geht´s in den Schlachthof. Die letzte Schlachtung ist um 7.30, wir treffen uns um 5.30. Einer der Schauspieler musste deswegen um 3 Uhr aufstehen, die Katze versorgen. 

Uns ist mulmig. Wollen wir das wirklich sehen?





Wie´s im Schlachthof zugeht? - Erzählen wir ab dem 7.6.



Aber nicht nur Schlachthöfe sind interessant, auch Zerlegung und Großhandel. Die ganze Branche lebt von der Unsichtbarkeit, selbst die Fleischerei-Einkaufssupermärkte liegen auf abgesperrtem Gelände: 

Auf dem Gelände der F.V.E. in Köln: Die Schranke ist oben, wir fahren einfach aufs Gelände. Am Eingang ein Schild "Fotografieren streng verboten". 
Ein Mitarbeiter in Grün eilt zu uns, wir müssten das Gelände sofort verlassen, wir dürften hier nirgends sein, aus hygienischen Gründen. In dem Moment fährt ein Polizeiwagen vor, und die Polizei wird, ungewollt und unbewusst, unser Freund und Helfer: der Grüne ist alarmiert,  "Was wollen die  denn hier?", er  wendet sich von uns ab, er eilt zum Pförtner, sagt gepresst: "Mach die Schranke runter, schnell, lass die nicht rein." Er ist dann mit den Polizisten beschäftigt.
Wir nutzen die  Gelegenheit: Monika beschwatzt einen  Metzger, wir würden gerne die Zerlegung sehen.  "Kommt mit, ich hol mir nur kurz was zu Essen!", sagt er, und ist verschwunden. Kurz darauf kommt er wieder, mit vier Würstchen in der blutigen Hand, und beißt in alle vier gleichzeitig rein. Pablo und Markus dürfen mit in die Zerlegung, Pablo nimmt die Kamera mit. Sie müssen Schutzkleidung anziehen. Der Metzger ist vom Fach, aber an den Tieren arbeiten osteuropäische Hilfsarbeiter. Einer erzählt Markus, er sei eigentlich KFZ-Mechaniker. 

Hier ein paar von Pablos Fotos:







Rainer und ich gehen in der Zeit in den nebenliegenden Fleischgroßhandel, der sich in nichts von einem Supermarkt unterscheidet. Eingeschweißte Würste, Würstchen und Steaks hängen in Kühltheken, Angestellte kleiner Metzgerbetriebe kommen und  packen sie in ihre Einkaufswägen, um in ihren Läden die Verpackungen aufzuschneiden und die Ware dann in ihre Auslagen zu legen.
Wir kommen mit einem 70jährigen Metzgermeister ins Gespräch, der sagt, so sehe sein Beruf heute aus.  Er habe zuletzt vor 30 Jahren selbst geschlachtet. Und dieser alte Metzgermeister - ein sympathischer Kleinstadt-Einzelhändler, ein weitgereistes Mitglied der Handwerkskammer, der jahrzehntelang Gesellenprüfungen quer durch Nordrhein-Westfalen abgenommen hat - sagt uns, die wir ihn gar nicht kennen, die wir illegal auf diesem Gelände sind, auf eine simple Nachfrage, mit der milden Resignation dessen, der weiß, wie die Welt läuft: So, wie es heute in seinem Beruf zuginge, das könne er mit seinem Ethos nicht vereinbaren. 
Aber so sei es halt. Die Kleinstrukturen seien weg, sie kämen auch nicht wieder. Da könne man nichts machen. Den Metzger an der Ecke, den gibt es nicht mehr. Nur noch Verkäufer.

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