Heute geht´s in den Schlachthof. Die letzte Schlachtung ist um 7.30, wir treffen uns um 5.30. Einer der Schauspieler musste deswegen um 3 Uhr aufstehen, die Katze versorgen.
Uns ist mulmig. Wollen wir das wirklich sehen?
Wie´s im Schlachthof zugeht? - Erzählen wir ab dem 7.6.
Aber nicht nur Schlachthöfe sind interessant, auch Zerlegung und Großhandel. Die ganze Branche lebt von der Unsichtbarkeit, selbst die Fleischerei-Einkaufssupermärkte liegen auf abgesperrtem Gelände:
Auf dem Gelände der F.V.E. in Köln: Die Schranke ist oben, wir fahren einfach aufs Gelände. Am Eingang ein Schild "Fotografieren streng verboten".
Ein Mitarbeiter in Grün eilt zu uns, wir müssten das
Gelände sofort verlassen, wir dürften hier nirgends sein, aus hygienischen
Gründen. In dem Moment fährt ein Polizeiwagen vor, und die Polizei wird,
ungewollt und unbewusst, unser Freund und Helfer: der Grüne ist alarmiert, "Was wollen die denn hier?", er wendet sich von uns ab, er eilt zum Pförtner,
sagt gepresst: "Mach die Schranke runter, schnell, lass die nicht
rein." Er ist dann mit den Polizisten beschäftigt.
Wir nutzen die
Gelegenheit:
Monika beschwatzt
einen Metzger, wir würden gerne die Zerlegung sehen. "Kommt mit, ich hol
mir nur kurz was zu Essen!", sagt er, und ist verschwunden. Kurz darauf
kommt er wieder, mit vier Würstchen in der blutigen Hand, und beißt in alle
vier gleichzeitig rein. Pablo und Markus dürfen mit in die Zerlegung, Pablo nimmt die Kamera mit. Sie
müssen Schutzkleidung anziehen. Der Metzger ist vom Fach, aber an den Tieren arbeiten
osteuropäische Hilfsarbeiter. Einer erzählt Markus, er sei eigentlich
KFZ-Mechaniker.
Hier ein paar von Pablos Fotos:
Rainer und ich gehen in der Zeit in den nebenliegenden
Fleischgroßhandel, der sich in nichts von einem Supermarkt unterscheidet.
Eingeschweißte Würste, Würstchen und Steaks hängen in Kühltheken, Angestellte
kleiner Metzgerbetriebe kommen und
packen sie in ihre Einkaufswägen, um in ihren Läden die Verpackungen
aufzuschneiden und die Ware dann in ihre Auslagen zu legen.
Wir kommen mit einem 70jährigen Metzgermeister ins
Gespräch, der sagt, so sehe sein Beruf heute aus. Er habe zuletzt vor 30 Jahren selbst geschlachtet.
Und dieser alte Metzgermeister - ein sympathischer Kleinstadt-Einzelhändler, ein
weitgereistes Mitglied der Handwerkskammer, der jahrzehntelang
Gesellenprüfungen quer durch Nordrhein-Westfalen abgenommen hat - sagt uns,
die wir ihn gar nicht kennen, die wir illegal auf diesem Gelände sind, auf eine
simple Nachfrage, mit der milden Resignation dessen, der weiß, wie die Welt
läuft: So, wie es heute in seinem Beruf zuginge, das könne er mit seinem Ethos
nicht vereinbaren.
Aber so sei es halt. Die Kleinstrukturen seien weg, sie
kämen auch nicht wieder. Da könne man
nichts machen. Den Metzger an der Ecke, den gibt es nicht mehr. Nur noch
Verkäufer.

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